Im Saumzug über die Alpen

Saumzug Alpen

Im Saumzug über die Alpen

Gefährlich und rau war das Leben der Säumer bis ins 19. Jahrhundert. Mit Pferden und Eseln transportierten sie Gewürze, Salz und Käse über die Alpen. Alljährlich lassen Schweizer die Tradition wieder aufleben.

Säumer waren Personen, die Lasten auf dem Rücken von Saumtieren über das Gebirge transportierten. Jahrhundertelang beförderten sie vor allem Salz und Wein auf Saumpfaden und über die Pässe der Alpen.

Seit 15 Jahren begeben sich nun jedes Jahr im August geschichtsverbundene Wanderer auf die Spuren ihrer Vorfahren und auf alte Saumpfade von der Schweiz bis nach Norditalien.

Im Saumzug über die Alpen

Die Sbrinz-Route ist ein uralter Handelsweg, der die Gegend um Luzern in der Schweiz mit Domodossola in Norditalien verbindet. Die Alpen trennen Süd- und Mitteleuropa, trennen Kulturkreise, Sprachen. Seit Jahrhunderten haben Menschen Wege gesucht, diese Barriere zu überwinden.

Ein schweizer Verein hat diesen Weg wiederentdeckt und zum grenzüberschreitenden Wanderweg gemacht. Sbrinz-Route genannt, denn einst wurde hier der Sbrinz-Käse aus der Schweiz nach Italien gebracht. Man kann alleine auf den historischen Wegen die Alpen überqueren, in geführten Gruppen mit ein paar Eseln oder mit dem großen Saumzug, der seit 15 Jahren immer Ende August an die Säumer erinnert, die lange vor solchen verkehrstechnischen Errungenschaften wie Brenner-Autobahn oder Gotthard-Basistunnel Waren transportierten.

Im Saumzug über die Alpen

Der Sbrinz-Käse, nach dem der Wanderweg benannt wurde, ist einer der ältesten Käse in der Schweiz, 1352 erstmals erwähnt. Und im 16. Jh. hat der Papst in Rom nach Sbrinzo di prima qualità verlangt. Der Verein Sbrinz-Route hat die uralten Wege gefunden, auf denen über Jahrhunderte Käse aus den Dörfern um Luzern nach Domodossola transportiert wurde. Heute ist der grenzüberschreitende Wanderweg gut ausgeschildert, man kann auch alleine wandern, doch der große Saumzug Ende August ist ein besonderes Erlebnis.

Der Sbrinz-Käse, nach dem der Wanderweg benannt wurde, ist einer der ältesten Käse in der Schweiz, 1352 erstmals erwähnt. Und im 16. Jh. hat der Papst in Rom nach Sbrinzo di prima qualità verlangt. Der Verein Sbrinz-Route hat die uralten Wege gefunden, auf denen über Jahrhunderte Käse aus den Dörfern um Luzern nach Domodossola transportiert wurde. Heute ist der grenzüberschreitende Wanderweg gut ausgeschildert, man kann auch alleine wandern, doch der große Saumzug Ende August ist ein besonderes Erlebnis.

30 Wanderer sind unterwegs und 20 Säumer, so nannte man die Männer, die einst mit Lasttieren Waren über die Berge transportierten. Sie haben einen Muli dabei, fünf Esel und  zehn Pferde, die den Tross anführen. Es sind Freiberger, wie sie auch für die Schweizer Armee die Geschütze gezogen und getragen haben.

Der Tross wirkt wie aus der Zeit gefallen und wird in den Etappenorten  enthusiastisch begrüßt. Was aus einer Bierlaune begann, ist mittlerweile für die kleinen Orte zum Wirtschaftsfaktor geworden und zieht auch andere Wanderer und Touristen an.

Zwischen Luzern und Domodossola liegen 150 Km mit über 5.000 Höhenmetern bergauf. Über den Brüningpass, den Grimsel-Pass, den Gries-Pass. Es ist die kürzeste Strecke, um die Alpen zu überqueren. Der Gotthard ist länger, auch der Brenner weiter und war schwieriger zu erklimmen als die Sbrinz-Route. Die alten Wege abseits der heutigen Straßen wurden teilweise schon von den Römern angelegt. 

Wegen der Farbe des Steins heißt diese Felsplatte die helle Platte. Weil bei Nässe die Hufe der Tiere auf dem Stein gerutscht sind, hat man schon vor langer Zeit Stufen in den Fels gehauen. Der Wanderweg daneben ist noch recht neu. Und in der Mundart wurde hell zum Synonym für rutschig.

Immer höher und höher.  Bis hoch zwischen nackte Gipfel mit senkrechten Rillen, wie von einer Riesen-Hand gekratzt. Einst lagen die Sediment-Schichten waagerecht. Als die Alpen aufgefaltet wurden, sind sie gebrochen, senkrecht gestellt und verwittert. Weil am Griespass ganz verschiedene Gesteinsschichten zutage treten, können Stein-Liebhaber Schätze finden, man muss sie dann nur tragen. 

Der Gries-Pass in 2.479 m Höhe gehört den Wanderern. Kein Auto, kein Gasthof. In einer windgeschützten Senke wird den Tieren die Last abgenommen. Pause. Und es gibt Brot mit Sbrinz-Käse, der zusammen mit Weißwein in einer Pfanne über dem Feuer geschmolzen wird.                              

So wie früher haben die Säumer Sbrinz-Käse dabei. Sechs große Laibe je 40 Kg. Zwei Säumer verkaufen jeden Abend in den Schweizer und italienischen Etappenorten, wiegen mit einer uralten Waage, schneiden mit einem Draht. Nach der Woche bleibt von den 240 kg nichts übrig.

Es ist unglaublich, was für steile, steinige, enge, rutschige Pfade die Tiere bewältigen. Auf den Steilstrecken bergauf mit Schwung, damit sich die Tiere nicht rückwärts überschlagen. Auf den halsbrecherischen Wegen bergab dagegen, und auch auf den Stufen, setzen die Pferde vorsichtig einen Huf vor den anderen, darauf bedacht nicht zu rutschen. Dann kommen die Esel - tapp, tapp, tapp - leichtfüßig hinterher. Sie sind wie geschaffen für die hochalpinen Steige.

Auch früher ging ein Säumer nicht allein mit Pferd oder Esel. Gemeinsam wurden die gefährlichen Berge überquert, wo Wegelagerer lauerten und die Strecke schlecht . Der Verein Sbrinz-Route hat die alten Wege gefunden und so neu gestaltet, dass Touristen sich angstfrei einen Eindruck von den Beschwernissen des Warentransport in alten Zeiten machen können.

Autorin: Eva Firzlaff
Redaktion: Regina Tanne

Stand: 11.08.2018, 10:05