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Feuer, Eis und Walgesang – ein Segeltörn um Island

Meeresbrandung mit Vulkan Snaefellsjoekull und Gletscher im Hintergrund.

Feuer, Eis und Walgesang – ein Segeltörn um Island

Islands Natur und Wetterlagen bieten große Abwechslung. Trotz mancher Klagen ist die Insel nicht von Touristen überlaufen, jedenfalls nicht in den Westfjorden oder im Norden. Aber dort oben zu segeln, ist eine echte Herausforderung.

Island, vor Millionen von Jahren geboren aus feurigen Eruptionen des Mittelatlantischen Rückens, überformt von Wasser, Wind und Eis, lockt jährlich Hundertausende Besucher an. Geboten werden Geysire, Thermalquellen, gigantische Wasserfälle, brodelnde Schlammlöcher, vergletscherte aktive Vulkane und ein Riss, der die Insel auf zwei Kontinentalplatten verteilt: der eurasischen und der amerikanischen.

Die meisten Touristen bleiben im Süden, in der Gegend um Reykjavik. Island lässt sich aber nicht nur von Land, sondern auch von der Wasserseite her erkunden. Wie sonst könnte man hautnah inmitten von Walen unterwegs sein? Die Fischerdörfer in den Westfjorden verloren nach Einführung der Fischereiquoten viele – vor allem junge – Einwohner.

Die kommen langsam zurück, werben mit Walsafaris, Hochseeangeln, geführten Touren zu Vogelfelsen oder mit skurrilen Museen, in denen es von Seemonstern nur so wimmelt. Zu Lande und zu Wasser ist Islands Norden einen Besuch wert. Entspannung, Klatsch und Tratsch in Hot Pots gehören zum Alltag, selbst im kleinsten Örtchen.

Autorin: Mechthild Müser
Redaktion: Moritz Folk

Segeln in Island

Wale, Wolken, Weite – Island ist zu jeder Jahreszeit schön: ein Segeltörn vorbei an Gletschern und Vulkanen – begleitet von Papageientauchern, Trollen und Delfinen.

Ein großer, kubischer Glasbau ragt über einen Segelboothafen.

Das Opern- und Konzerthaus "Harpa" in Reykjavik wurde 2011 eröffnet, ein Projekt des isländischen Künstlers Ólafur Elíasson. Die facettenreiche Glasfassade soll an einen Eisberg erinnern, im Licht des Sonnenuntergangs strahlt sie besonders.

Das Opern- und Konzerthaus "Harpa" in Reykjavik wurde 2011 eröffnet, ein Projekt des isländischen Künstlers Ólafur Elíasson. Die facettenreiche Glasfassade soll an einen Eisberg erinnern, im Licht des Sonnenuntergangs strahlt sie besonders.

Bauboom in Reykjavik. Knapp 130.000 Einwohner hat Islands Hauptstadt, das sind mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Gerade junge Leute haben heute wenig Lust, auf dem Land zu leben. Dazu kommen – vor allem in den Sommermonaten – Hunderttausende von Touristen.

Eine Gruppe von Grindwalen begleitet unsere Segelyacht "Wappen von Bremen". Im Hintergrund der vergletscherte Vulkan Snaefellsjökull. Er liegt an der Spitze einer nach Westen ausgerichteten Landzunge. In Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde" befindet sich hier der Einstieg ins Erdinnere.

Nachdem wir den Snaefellsjökull umrundet haben, tauchen immer mehr Grindwale im Breidafjördur auf. In früheren Zeiten wurde diese Wale, die auch Pilotwale genannt werden, bejagt, auf den Färöer-Inseln noch bis heute.

Im Hafen von Bildudalur liegen wir zwischen Fischkuttern. Viele Fischer sind froh, dass es inzwischen einige Lachszuchtstationen im Fjord gibt, sodass sie nicht mehr aufs Meer hinausfahren müssen. Mit Jón Podársson aus dem Örtchen Bildudalur kann man Hochseeangeln gehen.

Der Arnafjördur gehört zu den Westfjorden, einer rauen Landschaft, die wie eine Pranke in die Dänemarkstraße hineinragt. Seeungeheuer sollen im Fjord gesichtet worden sein, es gibt eine Robbenkolonie und ab und zu einen Buckelwal.

Nächtliches Segeln im Mondlicht kann im Atlantik nördlich von Island ziemlich eisig sein. Wer Wache hat, hüllt sich in viele Schichten Vlies und Ölzeug, bevor er völlig vermummt an Deck geht.

Der Hafen in der Kleinstadt Husavik ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Walsafaris. Touristen wird außerdem ein Landausflug auf der sogenannten Diamantroute empfohlen, sie führt nach Südosten in eine vulkanisch aktive Gegend.

Brodelnde Schlammlöcher zeigen, wie dünn die Erdkruste in dieser Region nahe des Mývatn-Sees ist. Schwefel- und Wasserdampf steigen hoch. Der östliche Teil Islands liegt auf der eurasischen Kontinentalplatte, der westliche auf der amerikanischen. Beide Teile driften jedes Jahr etwa zwei Zentimeter auseinander, die aus Erdmantel-Material wieder aufgefüllt werden.

In jedem noch so kleinen Dorf auf Island gibt es einen Hot Pot, ein Becken mit 39-42 Grad heißem Wasser, das jeder besuchen kann. Oft ist ein Schwimmbad angeschlossen. Das Geothermalbad direkt am Fjord in Husavik ist komfortabler und größer als die üblichen Hot Pots, es werden sogar Getränke serviert. Dafür ist der Eintritt deutlich teurer.

Die kleine Insel Grimsey liegt etwa 35 Seemeilen von Husavik entfernt, sie ist der nördlichste Punkt Islands. Im Sommer leben 60 Menschen auf der Insel, im Winter deutlich weniger. Man kann Grimsey von Akureyri aus sowohl mit der Fähre wie auch mit dem Kleinflugzeug erreichen. Der inzwischen verstorbene Schriftsteller Ulrich Schacht hat ihr mit seiner Novelle "Grimsey" ein literarisches Denkmal gesetzt.

Die "Arctic Hotdogs" haben eine Füllung aus Lamm, Schwein und Rind. Köstlich. Im einzigen Restaurant von Grimsey stehen die hübschen Papageientaucher auf der Speisekarte. Wir verzichten.

Im Norden Islands sind Tausende Papageientaucher zuhause. Die taubengroßen Vögel leben und brüten in Erdhöhlen auf und an den Klippen. Außerhalb der Brutzeiten halten sie sich ausschließlich auf dem Meer auf.

Akureyri ist mit knapp 20.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Islands. Sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Handelsposten der Dänen gegründet, entwickelte sich zur Handelsstadt und später zu einem Zentrum der Trawlerfischerei. Hoch über dem Fjord liegt ein botanischer Garten.

Feuer, Eis und Walgesang – ein Segeltörn um Island

WDR 5 Mit Neugier unterwegs - Das Reisemagazin 21.03.2020 25:00 Min. Verfügbar bis 20.03.2021 WDR 5 Von Mechthild Müser

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