Live hören
Jetzt läuft: Collar of fur von Fionn Regan

Der Rennsteig im Winter

Der Rennsteig im Winter

Wabernde Nebel, menschenleere Wälder und spektakuläre Aussichtspunkte – auf 170 Kilometern bietet der Rennsteig intensive Naturerlebnisse und dazu verrückte Geschichte(n) im früheren deutsch-deutschen Grenzgebiet.

Zwei Menschen wandern auf einem verschneiten Weg im Nebel.

Der Aufstieg zum Schneekopf ist kurz. Er startet am Parkplatz des Schneekopfs – von hier aus führt ein 1,2 Kilometer langer Walderlebnispfad auf den Gipfel des Berges. Parallel zum Weg liegt ein großes Hochmoor.

Der Aufstieg zum Schneekopf ist kurz. Er startet am Parkplatz des Schneekopfs – von hier aus führt ein 1,2 Kilometer langer Walderlebnispfad auf den Gipfel des Berges. Parallel zum Weg liegt ein großes Hochmoor.

Der Weg führt an den sogenannten "Teufelskreisen", einem Hochmoor vorbei. Kompakte Wolken umklammern die Fichtenstämme. Dicht über dem Boden ragen grüne Sträucher aus dem Boden. Leiser, sachter Schnee fällt auf die Wanderer und wirkt wie ein Erfrischungsspray.
Der Thüringer Wald mutet im Winter wie eine Märchenlandschaft an.

Zu DDR-Zeiten durfte der Schneekopf nicht betreten werden. Er war militärisches Sperrgebiet und für Bürger der Deutschen Demokratischen Republik tabu – erst nach der Wiedervereinigung wurde er wieder zum beliebten Ausflugsziel. Mit einer kleinen Gastronomie, der Gehlberger Hütte, und einem Aussichtsturm.

Ein großes, weißes "R" auf dunklen Fichtenstämmen markiert die Route. Es findet sich alle paar Meter, sodass sich selbst im Nebel niemand verläuft.

Die heutige Rennsteigbahn ist in Privatbesitz. Die Betreiber haben den alten Bahnhof von 1904 mit der Unterstützung der "Dampfbahnfreunde mittlerer Rennsteig e.V." aufwendig wiederhergerichtet: Mit Säulen und Gebäuden aus dem ehemaligen Erfurter Hauptbahnhof. Wer mag, kann hier einkehren oder die Räumlichkeiten für private Feiern mieten.

Die Kulisse ist wunderbar altmodisch: Auf den Gleisen stehen historische Waggons. Rotgolden leuchten kleine Tischlampen im altertümlichen Speisewagen. 1897 prangt als Jahreszahl an einem hölzernen Güterwaggon. Und geräuschvoll schreitet der Minutenzeiger der großen Bahnhofsuhr voran. Ein Hauch vom Orient Express im Thüringer Wald.

Ein Wanderweg, der nur drei Kilometer vom Bahnhof Rennsteig entfernt startet und der von vielen Wanderern auf dem Rennsteig gelaufen wird, ist der Goethewanderweg. Er führt zu Goethes Lieblingsorten in der Region. Darunter ist ein wuchtiger Felsen: der Große Hermannstein. Wer ihn umrundet, entdeckt eine Höhle, die im Mittelalter in den Stein geschlagen wurde. Hier hatte Goethe ein Stelldichein mit Charlotte von Stein.

Masserberg gilt als "die Perle des Rennsteigs". Dutzende alte Schieferhäuser stehen in dem kleinen Bergdorf, das seit 1999 "Heilklimatischer Kurort" ist.

Masserberg lebt dank der guten Luft und schönen Landschaft vom Tourismus. Im Ort werden viele gesunde Aktivitäten angeboten. Etwa "Heilklimatische Wanderungen" oder das aktuell sehr populäre "Waldbaden".

Die einstündige, heilklimatische Wanderung wird von Christian Sachs angeboten, der im Hauptberuf als Glasbläser arbeitet. Gehen, atmen, ein kleines bisschen Eigenwerbung – sodass manch Teilnehmer nach der Tour die Werkstatt besucht. Einen Glasbläserkurs bucht oder das ausgestellte Kunsthandwerk kauft.

Glasblasen hat eine lange Tradition im Thüringer Wald, da es  die geborene Heimindustrie ist. Die Menschen konnten das Handwerk in ihrer kleinen Wohnstube ausüben. Im Lauscha, das 30 Kilometer entfernt von Masserberg liegt, sollen sogar die ersten Christbaumkugeln hergestellt worden sein. So erzählen es zumindest die Einheimischen. 

Die Traditionen und Schönheiten des Rennsteigs zu bewahren, sieht Horst Golchert, ein früherer Leistungssportler und heutiger Wanderführer, als seine Aufgabe an. Kaum einer kennt den Fernweg besser. Niemand hat in den letzten Jahrzehnten mehr über den Rennsteig geschrieben oder mehr Touren absolviert.

Stand: 23.01.2020, 16:20 Uhr