Kalavrita: Reise auf Nordpeloponnes

Kalavrita: Reise auf Nordpeloponnes

Von Claudia Friedrich

Wer vom Meer aus ins Innere der Halbinsel Peloponnes reist, südwärts, begibt sich stets bergauf ins Paradies. An den Ausläufern eines mächtigen Bergmassivs liegt Kalavrita: Schauplatz des Debütromans von Maria Stefanopoulou, Ort eines Kriegsverbrechens.

Weinreben über dem Golf von Korinth

Auf der Nordpeloponnes wachsen Trauben in 1000 Metern Höhe. Sie gedeihen auf Lehm und Kalk, atmen Sonne und Salz.

Auf der Nordpeloponnes wachsen Trauben in 1000 Metern Höhe. Sie gedeihen auf Lehm und Kalk, atmen Sonne und Salz.

Inmitten von Weinbergen liegt das Weingut Tetramythos. An seiner Fassade lehnen Amphoren, in denen Retsina gärt. Das besondere Aroma liefern die Harztränen von Pinien.

Ein paar Kilometer südlich des Weinguts steht der Kirschenhain eines 85 Jahre alten Bauern - an dem Ort, an dem in der Antike die Königstochter Voura eine Stadt gründete.

Im Nachbarort von Kernitsa verkauft Imker Tassos Honig, Meli auf griechisch, den Schatz der Bienennymphe Melissa. Mit Honig ernährte sie den Olympischen Gott Zeus, als er ein kleines Kind war.

Der Weg nach Kalavrita führt an einem der ältesten Klöster Griechenlands vorbei. 1943 stießen Truppen der deutschen Wehrmacht Mönche in die Tiefe und zerstörten Mega Spileon (Große Höhle).

Mega Spileon erwähnt Maria Stefonopoulou in ihrem Debütroman Athos der Förster. Wie Athos arbeitete auch der Großvater der Autorin als Förster in Kalavrita, bis er im Dezember 1943 umgebracht wurde.

Zusammen mit 485 Männern und Jungen starb Maria Stefanopoulous Großvater im Kugelhagel auf dem Kappi. Die Schmerzensmutter, eine Skulptur von Anna Vafia, gehört zum Ensemble des Gedenkortes.

Eine Eliteeinheit der Wehrmacht ermordete die männliche Bevölkerung von Kalavrita. Es war eines der grausamsten Kriegsverbrechen auf dem Balkan im Zweiten Weltkrieg.

Im Moment der Hinrichtung, am 13. Dezember 1943, blieb die Zeit stehen. Die Uhr am rechten Glockenturm (li. Im Bild) zeigt seither 2.34 Uhr.

Die deutschen Kriegsverbrecher plünderten Kalavrita und fuhren mit der Zahnradbahn ins Tal. "Die Lokführer haben sie am Leben gelassen", sagt Menelaos Avramopoulos. Er steuert das Technikwunder.

Sobald die Strecke zu abschüssig wird, zeigt der Mittelstrang Zähne, die hart eingreifen und die Bahn zur Langsamkeit zwingen, zwischen Felsen und dem Fluss Vouraikos.

Vouraikos trägt den Namen der Stadtgründerin Voura. In der Sage ist der liebestolle Held Herakles scharf auf die Prinzessin. Um zu ihr zu gelangen, haut er mit dem Schwert eine tiefe Schlucht in die Landschaft, die Bahnstrecke zwischen Kalavrita und Diakofto am Meer.

Die Reise endet in einem Café in Diakofto, der kleinen Küstenstadt am Golf von Korinth. Auf heißer Flamme köchelt der perfekte, griechische Mocca. Auf dem Tablett liegt eine vollendete Mille-feullie - französisches Rezept, griechische Kunst.

Stand: 23.10.2019, 12:56 Uhr