Okzitanien - Das Land der Katharer

Okzitanien - Das Land der Katharer

Von Antje Zimmermann

In Okzitanien, dem Land zwischen Mittelmeer und Pyrenäen, gehen wildromantische Landschaft und traurige Geschichte der "Katharer" eine dramatische Verbindung ein: Ruinen zeugen vom verzweifelten Kampf der christlichen Religionsgemeinschaft gegen die Kreuzritter.

Der Berg Montségur in den Pyrenäen

Einem Adlernest gleich thronen die Ruinen der Festung Montségur auf 1.200 Metern. Montségur ist die wichtigste Katharer-Festung in den Pyrenäen, denn hier fand der letzte Abwehrkampf der Häretiker gegen die katholischen Kreuzritter statt. Die Katharer verloren und wurden zu Fußen des Berges auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt.

Einem Adlernest gleich thronen die Ruinen der Festung Montségur auf 1.200 Metern. Montségur ist die wichtigste Katharer-Festung in den Pyrenäen, denn hier fand der letzte Abwehrkampf der Häretiker gegen die katholischen Kreuzritter statt. Die Katharer verloren und wurden zu Fußen des Berges auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt.

Ein kleiner Gedenkstein erinnert unweit der Hinrichtungsstätte an die Gräuel: Am 16. März 1244 starben hier 225 Katharer den Flammentod. Um dem Scheiterhaufen zu entgehen, hätten die Katharer ihrem Glauben abschwören müssen – doch das taten sie nicht.

Nach etwa einem Drittel des Wegs auf die Bergspitze steht dieses kleine Kassenhäuschen. Es ist der Arbeitsplatz von Elisabeth, die hier Tickets und Postkarten verkauft.

Katharer, Templer, der heilige Gral – in der Fantasieliteratur werden Tatsachen und Legenden bunt vermischt. Einige Menschen glauben den Theorien und durchsuchen die Festungsruine von Montségur nach dem heiligen Gral. Touristenführer Tristan Bergerot und seine Kollegen hatten an der Stätte schon einige seltsame Begegnungen mit religiösen Eiferern.

Von der Katharersiedlung sind nur noch wenige Grundmauern erhalten. Nur ein einziges der von den Archäologen freigelegten Häuser hat deutlich erkennbare Umrisse. Es wird spekuliert, dass die Mutter des Burgherren von Montségur hier gewohnt hat. Sie war Katharerin und sogar eine Priesterin der Religionsgemeinschaft.

Vom Berg gibt es einen fantastischen Blick auf die Pyrenäen und das Dorf Montségur. Sonnenstrahlen glitzern auf den roten Ziegeldächern und beleuchten einen kleinen Friedhof, der gleich neben den Häusern liegt.

Montségur ist ein pittoreskes Dorf mit rund 140 Einwohnern. Menschen aus aller Welt kommen in das Örtchen – auf der Suche nach Sinn oder sich selbst. Die meisten sind aber nur auf der Durchreise.

In diesem Gebäude ist der Bürgermeister von Montségur und auch das Katharer-Museum untergebracht. So idyllisch es von außen wirkt, so martialisch sind die Exponate: Sie stammen alle vom Berg und dokumentieren die Intensität der Kämpfe. Tausende Pfeilspitzen und massive Steingeschosse, die bis zu 98 Kilo wiegen.

Anne Mi Pigelet stammt aus Belgien. Sie ist im Jahr 2000 auf dem Katharerweg gewandert und hat gefunden, was sie suchte: Einen Ehemann und eine Aufgabe. Zusammen möchte das Paar Besuchern von Montségur die Ideale der Katharer näherbringen – und ein spezielles Handwerk. Anne Mi Pigelet ist Weberin und stellt hochwertige Kleidung her, die ein Leben lang hält.

Sie ist an vielen Häusern zu sehen: die okzetanische Fahne, die auch an die Unabhängigkeit der Region erinnert. Sie endete mit dem Katharer-Kreuzzug im 13. Jahrhundert. 

Die Katharer-Verfolgung war ein einschneidender Moment in der französischen Geschichte. Erst durch den vom Papst ausgerufenen Kreuzzug konnten die kleinen Grafschaften des Südens unterworfen und dem französischen Königreich einverleibt werden.

Cucugnan gilt als das schönste Dorf der Region. Auf jeden Fall ist es das meist besuchte Dorf im Land der Katharer. Eine alte Windmühle aus hellem Kalkstein thront auf einer Anhöhe über dem Ort. Ihre hölzernen Flügel ruhen allerdings meistens, als ob sie Siesta in der Mittagssonne halten würden.

Ein 160 Kilometer langer Weitwanderweg führt über die historischen Fluchtwege der Katharer vom Mittelmeer in die Berge. Hier führt er über den Fluss Verdouble im Dörfchen Padern, das zu Füßen einer weiteren Katharer-Festung liegt.

Queribus ist eine der "schwindelerregenden Zitadellen" wie ein französischer Autor die mit den Felsen verwachsenen Festungen im Katharer-Land einmal nannte. Insbesondere auf Queribus weht der Wind gelegentlich so heftig, dass die Anlage nicht betreten werden kann.

Stand: 02.02.2018, 09:14 Uhr