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Neues Welterbe für Deutschland: Haithabu und Danewerk

Grüne Hügel, die sich in der Landschaft abzeichnen

Neues Welterbe für Deutschland: Haithabu und Danewerk

Die Wikinger-Siedlung ist wegen ihrer reichen archäologischen Funde für Wissenschaftler faszinierend, denn sie gibt tiefe Einblicke in die wirtschaftliche, soziale und geschichtliche Entwicklung Europas im 1. und frühen 2. Jahrtausend.

Zusammen mit dem imposanten Verteidigungswall "Danewerk" bildet "Haithabu" das größte Bodendenkmal Nordeuropas. Das Leben der Wikinger ist heute in einem Museumsdorf zu erleben. Ein "einzigartiges Zeugnis der Wikingerzeit" – mit dieser Begründung wurden Haithabu und Danewerk zum Welterbe erklärt. Sie liegen ganz im Norden Deutschlands, wo Schleswig und Skandinavien miteinander verschmelzen.

Haithabu ist ein frühmittelalterlicher Handelsplatz, der zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert so bedeutsam war, wie es Hamburg oder Rotterdam heute sind. Und an ihn grenzt das Danewerk, ein Verteidigungswall, der an den berühmten römischen Limes erinnert. Wer die beiden archäologischen Stätten heute besucht, erlebt die wilden Wikinger als Gärtner und Goldschmiede. Und erfährt, dass die Nordmänner ihre berühmten Schiffe nicht nur für Beutefahrten nutzten, sondern auch weltweiten Handel betrieben.

14 Jahre hatten Archäologen aus Schleswig-Holstein für die Anerkennung des Wikingererbes gekämpft und im zweiten Anlauf ist es ihnen dann gelungen, die Welterbe-Kommission zu überzeugen, dass Haithabu einzigartig ist: Ein zentraler Handelsknotenpunkt, zwischen Skandinavien und Westeuropa und Nord- und Ostsee – geschützt vom mächtigen Danewerk.

Antje Zimmermann berichtet von einer Region, in der Landschaft und Geschichte eine intensive Verbindung eingehen.

Autorin: Antje Zimmermann

Redaktion: Beate Wolff

Neues Welterbe für Deutschland: Haithabu und Danewerk

WDR 5 Mit Neugier unterwegs - Das Reisemagazin 13.10.2018 17:28 Min. WDR 5

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Haithabu-Wikinger-Siedlung

Die Wikinger-Siedlung ist wegen ihrer reichen archäologischen Funde für Wissenschaftler faszinierend, denn sie gibt tiefe Einblicke in die wirtschaftliche, soziale und geschichtliche Entwicklung Europas im 1. und frühen 2. Jahrtausend.

Eine Öffnung zwischen zwei Erdhügeln

Eigentlich ist es nur eine kleine Öffnung, die sich zwischen zwei Erdhügeln auftut – für die Archäologen war die Entdeckung des Tors im Danewerk aber eine Sensation. Denn sie konnten die jahrhundertealten Spuren von unzähligen Ochsenkarren freilegen, die sich tief in das Erdreich eingefressen hatten und Aufschluss über den regen Handel zwischen Skandinavien und Europa gaben. 

Eigentlich ist es nur eine kleine Öffnung, die sich zwischen zwei Erdhügeln auftut – für die Archäologen war die Entdeckung des Tors im Danewerk aber eine Sensation. Denn sie konnten die jahrhundertealten Spuren von unzähligen Ochsenkarren freilegen, die sich tief in das Erdreich eingefressen hatten und Aufschluss über den regen Handel zwischen Skandinavien und Europa gaben. 

Noch heute prägt das Danewerk die Landschaft. Wie grüne Wellen türmt es sich in dem ansonsten flachen Land auf. Ein Rad- und Wanderweg führt heute entlang des ursprünglich 33 Kilometer langen Grenzwalls.

Auch die Entdeckung der Waldemarsmauer gilt in Fachkreisen als Sensation – denn sie ist das größte Ziegelsteinbauwerk in Nordeuropa. Errichtet wurde sie um 1170 vom Dänenkönig Waldemar I. – um die deutschen Könige auf der anderen Seite des Grenzwalls einzuschüchtern.

Die Landschaft in Schleswig hat sich seit den Wikingertagen wenig verändert. Um diesen Eindruck zu verstärken, grasen rund um Haithabu Hochlandrinder, die bereits im Mittelalter hier waren.

Auch diese Walachenschafe wurden schon von den Wikingern gehalten. Ihr Fell ist besonders lang und dicht. Hinter den Tieren sind die Schutzwälle der untergegangenen Wikingerstadt zu erkennen.

Ähnlich wie bei Troja war auch bei Haithabu lange gerätselt worden, wo die Stadt tatsächlich lag. 1897 wurde dann dieser Halbkreis am Ufer der Schlei als Lageplatz identifiziert. Um 1990 begannen Wissenschaftler in Haithabu zu graben.  

Die Wikinger hatten diesen Ort gewählt, weil hier die Schlei – ein Meeresarm der Ostsee – am weitesten ins Landesinnere reicht. Nach nur 16 Kilometer Landweg kamen sie zum nächsten größeren Fluss, der in die Nordsee mündet. Heute verläuft hier der Nord-Ostsee-Kanal.

Sieben Häuser bilden heute das Freilichtmuseum von Haithabu. Sie stehen so dicht beieinander, wie man sie bei den Grabungen vorgefunden hat. Die Dächer sind aus Reet, das am Ufer der Schlei wächst.

Reinhard Erikson arbeitet als „Wikinger“ im Freilichtmuseum. Der gelernte Tischler empfindet die Arbeit mit den historischen Werkzeugen der Wikinger als meditativ.

Das Museum von Haithabu besteht ebenfalls aus sieben kleinen Häusern. Ihre Form erinnert an Schiffe – an Schiffe, die kieloben liegen. Wie eine kleine Flotte bewegen sie sich auf das Wasser der Schlei zu.

Die weit verzweigten Handelsbeziehungen der Wikinger sind im Museum in einem großen, gläsernen Würfel dargestellt. Besucher können ihn betreten und erleben das breite Warenangebot der Wikinger fast wie in einem modernen Kaufhaus.

Dieses über 30 Meter lange Kriegsschiff stammt aus dem Hafen von Haithabu, wo es vor über 1.000 Jahren brennend gesunken ist. 1979 in einer großangelegten Aktion ausgegraben. Slawische Truppen, die Haithabu überfielen, hatten es als brennenden Rammbock benutzt – dieses Ereignis besiegelte 1066 das Schicksal der Stadt. Haithabu ging unter und mit ihr die Wikingerwelt.

Stand: 13.10.2018, 10:05