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La Graciosa: die "neue" kanarische Insel

La Graciosa: die "neue" kanarische Insel

Seit einem Jahr gibt es auf den Kanaren nicht mehr sieben, sondern "offiziell" acht bewohnte Inseln. Jahrzehntelang wurden die 700 Bewohner von La Graciosa benachteiligt. Jetzt fordern sie Aufmerksamkeit und Investitionen.

Eine staubige, hellbraune Straße aus Schotter führt um die niedrig gebauten, weißen Wohnhäuser herum. Rechts unten im Bild stehen zwei Autos.

Caleta de Sebo ist der einzige Ort auf der Insel, der ständig bewohnt ist. Er hat knapp 700 Einwohner. Die Straßen sind nicht asphaltiert, es gibt keine Ampeln, Tankstellen oder Autowerkstätten. Trotzdem gibt es 300 Autos. Benzin und Ersatzteile kommen mit dem Lastschiff aus Lanzarote.

Caleta de Sebo ist der einzige Ort auf der Insel, der ständig bewohnt ist. Er hat knapp 700 Einwohner. Die Straßen sind nicht asphaltiert, es gibt keine Ampeln, Tankstellen oder Autowerkstätten. Trotzdem gibt es 300 Autos. Benzin und Ersatzteile kommen mit dem Lastschiff aus Lanzarote.

Der Hafen ist das Zentrum von Caleta de Sebo. Hier spielt sich das Leben ab. Knapp 300 Meter dahinter beginnt unberührte Natur, und von einem Ortsende zum anderen sind es nur eineinhalb Kilometer. Weiter nördlich an der Ostküste liegt noch das Feriendorf Pedro Barba.

So gut wie alles, was die Gracioseros zum Leben brauchen, kommt aus Lanzarote. Fährt ein Schiff in den Hafen ein, stehen viele Einheimische mit einem Handkarren am Kai und warten darauf, ihre Bestellungen abzuladen: Vom Bettgestell über die Wandfarbe bis zu Kisten voller Tomaten und Bananen.

Endlich sind die Gracioseros anerkannt: Seit etwa 140 Jahren ist die Insel bewohnt, bislang galt sie im Autonomiestatut der Kanaren dennoch als unbewohnt. Die Insel liegt direkt neben Lanzarote: Hier sieht man von einer Dachterrasse aus die steile Nordküste der großen Nachbarinsel.

Die karge Landschaft entwickelt ihren Charme im Spiel von Licht und Schatten. Ziehen Wolken auf, wird das, was zuvor noch gleißend kupferfarben war, plötzlich stumpf und grau. Das mal steinige, mal sandige Gelände ist von Dornensträuchern und Sukkulenten bewachsen.

La Graciosa gilt als die "neue", die achte Insel der Kanaren. Dabei ist sie uralt. Seit rund elf Millionen Jahren ruht sie im Südatlantik. Ihre drei Vulkankegel sind vom ewigen Wind abgeschliffen. Die höchste Erhebung misst 266 Meter. Die 29 Quadratkilometer kleine Insel und das Meer um sie herum stehen mehrfach unter Schutz.

An der Nord- und Westküste ist die Brandung gefährlich. Denn hier tobt der offene Atlantik. Aus sicherer Entfernung kann man dem ewigen Wellenspiel zusehen und zuhören, und dabei die kräftigen Farbkontraste genießen.

Miguel Páez begann 2013 damit, Unterschriften für die Anerkennung als achte bewohnte Insel zu sammeln. 11.000 Menschen haben unterschrieben – genug, um den Antrag im Regionalparlament der Kanaren einzureichen. Vor einem Jahr wurde dann das Gesetzeswerk der Kanaren geändert. Nun ist La Graciosa namentlich erwähnt.

Weil es jahrzehntelang "offiziell" keine Menschen auf La Graciosa gab, werden bis heute viele Probleme der Insulaner gar nicht oder nur schleppend gelöst. Zur Müllentsorgung fehlen Infrastruktur und Geld: Sperrmüll und Bauschutt häufen sich zwischen den Häusern oder am Ortsrand.

Zum Strand La Punta del Corral führt von Caleta de Sebo aus ein bequemer Wanderweg. Nach etwa einer Stunde hat man die Insel durchquert. La Graciosa kann man auf einem Leihfahrrad, zu Fuß oder bei einer Geländewagen-Safari erkunden.

Stand: 19.11.2019, 14:30 Uhr