Live hören
Jetzt läuft: Here with me von Marshmello feat. Chvrches
20.00 - 20.04 Uhr WDR aktuell

Gent: Brüssels hippe Schwester

Gent: Brüssels hippe Schwester

Keine EU-Verwaltungsgebäude, keine in Brunnen pinkelnden Kerlchen, dafür mehr als 10.000 kulturhistorische Gebäude des Mittelalters und Grachten bis zum Abwinken: Jane Höck war in Gent.

Im Sonnenlicht golden-schimmernde Gildehäusern direkt am Rand eines Kanals.

Hotspot und Herz Gents ist die Graslei. Das ist einer von zwei Kais des mittelalterlichen Hafens, wo im 11. Jh. richtig große Seeschiffe angelegt haben. Die kunstvollen Gildehäuser hier zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt, die durch den florierenden Tuchhandel zu Unabhängigkeit und Wohlstand gekommen war. Stein- statt Holzhäuser, das war der Stolz der reichen Patrizier.

Hotspot und Herz Gents ist die Graslei. Das ist einer von zwei Kais des mittelalterlichen Hafens, wo im 11. Jh. richtig große Seeschiffe angelegt haben. Die kunstvollen Gildehäuser hier zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt, die durch den florierenden Tuchhandel zu Unabhängigkeit und Wohlstand gekommen war. Stein- statt Holzhäuser, das war der Stolz der reichen Patrizier.

Das Wahrzeichen von Gent sind die Türme der Stadt. Drei davon standen schon im Mittelalter: Der mit Drachen geschmückte Belfried ist der höchste. In ihm wurden Urkunden der Stadt und verbriefte Privilegien aufbewahrt. Neben diesem Symbol weltlicher Macht recken noch die Sankt Bavo Kathedrale und die Sankt Nikolaus Kirche ihre Nasen in den Himmel.

Der Belfried war auch nach Außen ein Symbol großbürgerlicher Macht und Autonomie. Die zahllosen Besucher lockt nicht nur die herrliche Aussicht über die Stadt, sondern auch die gewaltige Stiftwalze, hoch oben im Inneren. Sie treibt das schöne Glockenspiel des Turms an.

Das Zunfthaus der Steinmetze trägt auf seinem Treppengiebel sechs Tänzer, die sich wie Wetterhähne im Wind drehen. Diese moderne Krone sitzt auf dem ehemaligen Gildehaus der Steinmetze. Im historischen Hafen steht eine Kopie, denn das Original galt lange als verschollen. Erst als in den 70ern die Straßenbahn gebaut wurde, kam das Original wieder zum Vorschein.

Gent ist berühmt für eine Spezialität, die es nur hier gibt. Die "Genter Nasen". Eine kegelförmige Süßigkeit mit schmelzend zarter Himbeercreme im Innern. Ein Apotheker hat auf diese Weise angeblich seinem kranken Sohn die bittere Medizin versüßt. Die Nase des Buben soll ihn zur Kegelform inspiriert haben.

Stein statt Holz. Darauf legten nicht nur die Patrizier wert. Auch der Adel wollte mithalten. In diesem Fall versuchten die Grafen von Flandern mit einem imposanten Koloss aus Stein auch optisch ein Gegengewicht zu den schlanken, herrschaftlichen Patrizieräusern zu setzen.

Gent – kaum zu glauben, aber wahr – besitzt eine aktive Sprayerszene. Davon zeugt unter anderem die Grafittigasse. Eine teils überdachte, enge Gasse mit Spraykunst vom Feinsten. Und wer sich mit eigenen Grafittis verewigen will, ist herzlich eingeladen mitzumachen beim Farbsprühen in der Grafitti-Gasse.

Dieses Objekt, das nach nichts aussieht, hat es in sich. Es gehört zur "Neugier Route" des Design Museums in Gent und ist ein Multitalent aus den 50er Jahren; ein Staubsauger, ein Mixer, ein Föhn und eine Farbpistole in einem.

Gent ist ein kleines Venedig des Nordens. Nicht nur das Leben der Touristen, auch das der Einwohner spielt sich auf dem Wasser und an der Wasserkante ab. Herrlich sind die vielen, direkt über den Kanälen hängende Cafés und Restaurants, in denen man fast mit dem Popo im Wasser sitzt.

Garantiert touristenfrei sind auch beim Geheimtipp Gent nicht mehr viele Orte. Die Ruinen der Sint Baafs Abtei aus dem 7. Jahrhundert aber ganz gewiss. Wie im Dornröschenschlaf liegen die Reste des Klosters, das Kaiser Karl V. 1540 abreißen ließ. Das war der Anfang vom Ende der Stadt, die auch mittelalterliches Manhattan genannt wird.

Stand: 23.08.2019, 14:17 Uhr