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Jugendstil und Art Déco in Brüssel

Der Eingangssaal der Bibliothek Solvay hat riesige Fenster, braunrot bemalte Wände mit Stahlelementen und Geländer aus gedrechseltem Holz. Alles ist verziert.

Jugendstil und Art Déco in Brüssel

Wer an Brüssel denkt, hat den Grand Place vor Augen, das Manneken Pis, das Berlaymont Gebäude, die Europäische Kommission, Schokolade, die vielen Biersorten, Fritten und die guten Restaurants. Nicht vergessen sollte man aber die Art-Déco-Architektur.

Eines davon ist die Quincellerie, ein Bauwerk in reinstem Jugendstil, das früher ein Eisenwarengeschäft war. Wer den Jugendstil liebt, ist in Brüssel richtig. Oder eher die Art Nouveau, wie der Jugendstil in Belgien, Frankreich, Italien und England bezeichnet wird. Die meisten dieser Häuser sind allerdings in Privatbesitz und daher nicht öffentlich zugänglich.

Die Stufen des Treppenhauses sin daus Marmor, das Geländer ist goldfarben. Der Blick geht steil nach oben bis zu einem großen Oberlicht, das den Raum erhellt.

Doch einmal im Jahr, an drei Wochenenden im März, öffnen in Brüssel etliche Privatleute ihre Art-Nouveau-Häuser für die Allgemeinheit. Dann können Besucher die Gebäude erkunden, die nicht zu Museen umfunktioniert worden sind. BANAD heißt dieses Türeöffnen und ist die Abkürzung für "Le Brussels Arts Nouveau & Art Déco".

Autorin: Simone Hamm
Redaktion: Lioba Werrelmann

Häuser voller Licht: Jugendstil und Art Deco in Brüssel

Victor Horta wurde berühmt durch die Lichtfülle seiner Architektur. Ende des 19. Jahrhunderts kannte man das zwar bereits aus öffentlichen Häusern, etwa in Theatern, aber Horta war es, der die Helligkeit in die Privathäuser ließ. Ästhetik und Funktionalität treffen sich in der Architektur Hortas.

Das Hôtel Tassen, ein Jugendstilgebäude in Brüssel, aus grauem Sandstein, Fensterelementen aus Metall und Säulen.

Glas, Stahl und Metall: Das waren die Materialen, die der Architekt Victor Horta verwandte, wenn er seine prächtigen Häuser baute. Das war nicht üblich, denn damals wurde Eisen nur für Brücken und Bahnhöfe benutzt, nicht für Häuser. Mit dem 1893 erbauten Hôtel Tassen wurde Horta schlagartig weltberühmt.

Glas, Stahl und Metall: Das waren die Materialen, die der Architekt Victor Horta verwandte, wenn er seine prächtigen Häuser baute. Das war nicht üblich, denn damals wurde Eisen nur für Brücken und Bahnhöfe benutzt, nicht für Häuser. Mit dem 1893 erbauten Hôtel Tassen wurde Horta schlagartig weltberühmt.

Geschwungene Geländer, florale Muster an den Wänden, edelste Materialien wie Marmor und exotische Hölzer – so sieht ein typisches Treppenhaus in einem Art Nouveau Haus aus. Art Nouveau, damit bezeichnet man in Belgien, Frankreich, Italien und England den Jugendstil. Einmal Im Jahr, beim BANAD Festival, öffnen die Besitzer ihre Häuser für Besucher.

Die Wände und Decken des Hôtel Tassel sind in warmem Gelb und hellem Rot gehalten, darauf verschnörkelte graue Linien und Blumenmotive. Auch Dekorationen aus Eisen, die das Treppengeländer verzieren, wirken floral. Es gibt keine geraden Linien, alles ist geschwungen.

Der Architekt Victor Horta hat jedes Detail in seinen Häusern selbst entworfen: Türgriffe, Möbel, Tische mit geschwungenen Beinen, Spiegel, Teppiche, die Mosaike in den Bädern. Er wollte Gesamtkunstwerke schaffen: schön und funktional.

Ein Rundbogen, in den ein filigraner Zaun aus lindgrünem Eisen mit kleiner Tür eingefasst ist – das ist der Eingang zum Haus Strauven. Es ist winzig klein, gerade mal 3,70 Meter breit. Weil es aber so viele Fenster hat, die die Räume mit Licht füllen, fühlen sich die Bewohner trotzdem nicht wie in einer Kiste.

Licht – das ist für die Architekten des Jugendstil und des Art Déco das allerwichtigste. Durch große Glaskuppeln, etliche Oberlichter und bunte Fenster fällt viel Licht in die Eingangshallen, von denen alle Zimmer abgehen.

Die Villa Empain ist auch ein Haus des Art Déco. Hier wurden nur alleredelste Materialien verarbeitet: Die Fassaden sind aus poliertem Granit aus Italien, die Schutzleisten aus Messing sind vergoldet. Die Hauswände an den Seiten der freistehenden Villa sind abgerundet. Alles wirkt klar und trotz der edlen Materialen betont schlicht. Heute ist die Villa ein Kulturinstitut, in dem sich Okzident und Orient treffen.

Aufsehen erregte der große Swimmingpool der Villa Empain, der ebenfalls 1935 fertiggestellt wurde. Er ist umgeben von einer Pergola. Der Mosaikboden erinnert an südliche Gefilde. Mit einer Tiefe von 3,80 Meter und einem Volumen von 500 Kubikmetern war der Pool zu seinerzeit einer der größten und gewiss der modernste.

Etliche Hortahäuser, wie das prächtige Maison du Peuple (das Haus des Volkes), Hotels, Wohn- und Warenhäuser, wurden einfach abgerissen – bis weit in die sechziger Jahre hinein. Liebhaber des Jugendstil retteten, was sie retten konnten. Und renovieren Jahr für Jahr aufs Neue.

Ein Bullauge am Brüsseler Himmel. In Belgien, wo es gerade im Winter recht dunkel ist, ist es sehr wichtig in einem hellen Haus zu leben. Vielleicht ist die Art Déco am Ende nur ein Etikett für das Spiel mit dem Licht, den Räumen und den edlen Materialien.

Häuser voller Licht: Jugendstil und Art Déco in Brüssel

WDR 5 Mit Neugier unterwegs - Das Reisemagazin 07.03.2020 22:06 Min. Verfügbar bis 07.03.2021 WDR 5 Von Simone Hamm

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Stand: 07.03.2020, 10:04