Live hören
Jetzt läuft: Red stripe von Kerbside Collection

Mit Sisi und Franz – Von Wien nach Budapest

Mit Sisi und Franz – Von Wien nach Budapest

Die Schwesternstädte Wien und Budapest trennen gerade mal zweieinhalb Stunden Bahnfahrt. Wie einst der Kaiser und die Kaiserin von Österreich-Ungarn: Eine Reise von Wien nach Budapest.

"Bitte einsteigen!" Der Kroate Ivan verrät bei seiner Morgenfahrt in die Wiener Innenstadt "Geheimnisse aus dem Alltag der Fiaker". Die Kutsche, mit der er fährt, ist ein aufgehübschtes original Landauer Modell. Ein Zweispänner, wie ihn die Wiener Adeligen in vergangenen Jahrhunderten benutzt haben.

Die besten Freunde des Fiakerfahrers sind zwei schneeweiße Lipizzaner, die seine Kutsche ziehen. Bevor es auf die Straße geht, dürfen interessierte Besucher den Pferden auch im Stall bei der Morgenwäsche zuschauen.

Gut eine Stunde braucht Ivan, um von Stall und Kutschenfuhrpark in Simmering im ersten Wiener Bezirk anzukommen. Punkt elf Uhr – keine Sekunde früher – darf er am Wahrzeichen Wiens vorfahren: dem Stephansdom. Wer sich nicht an die Uhrzeit hält, zahlt Strafe.

Wien und Budapst teilen die klassizistische Bauweise und den Hang zum überbordenden Jugendstil. Die ungarische Hauptstadt zeigt sich in Sachen Fassadenkunst fast noch detailverliebter und bunter als das Wiener Vorbild. Beim Bummel durch die Stadt heißt das: Kopf in den Nacken und nach oben schauen! Auf wunderschön verzierte und farbig ausgemalte Giebel.

Budapest sollte das neue Paris des Ostens werden und andere europäische Städte an Pracht und Prunk übertreffen. Dabei haben die Architekten nicht nur in Wien abgekupfert. Vorbild des am Donaustrand gelegenen ungarischen Parlaments ist eindeutig der "Westminster Palace", der Sitz des britischen Parlaments in London.

Moderne Kunst am Eingang zur berühmten Kettenbrücke auf der Pester Stadtseite. Das glitzernde Flossenkleid des bunten Fisch-Ensembles besteht aus alten Getränkedosen. Das finden auch Kinder hoch spannend.

Eine hübsche Schmalspurbahn schlängelt sich seit 1948 über gut elf km durch die bewaldeten Budaer Berge. Das Besondere daran. Hier haben – vom Lokführer mal abgesehen – Kinder das Sagen. Sie sind zwischen zehn und 14 Jahre alt und wirken neben der Schule noch freiwillig als Kindereisenbahner.

Die Kinder auf den Zügen kontrollieren und verkaufen die Fahrkarten. Sie geben den Reisenden auf ungarisch, englisch und auch deutsch Auskunft. Ihre Kollegen auf den Stationen machen die Durchsagen, stellen Weichen, geben das Signal zur Weiterfahrt.

Die Budapester Kindereisenbahn ist ein Relikt aus der Zeit des Sozialismus. Die Kinder im Bahn-Team kommen aus ganz Ungarn. Sie haben alle zwei Wochen für jeweils zwei Tage Dienst und werden dafür von der Schule befreit. Sie verbindet ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Dazu gehört auch das gemeinsame Singen und Musizieren auf der jeweils letzten Fahrt des Tages, wenn alle zusammen ins Camp am Bahnhof Hűvösvölgy zurückkehren.

Die älteste Handelsstraße der Stadt ist die Váci Utca in Pest. Die parallel zur Donau verlaufende Straße, die direkt zur Zentralen Markthalle führt, ist die beliebteste Einkaufs- und Flaniermeile der ungarischen Hauptstadt und selbst bei Nacht immer noch gut besucht.

Die zentrale Markthalle an der Freiheitsbrücke ist ein richtiger Hingucker. Das mächtige Gebäude aus Stahl und Glas mit den farbigen Barockziegeln erinnert an eine Kathedrale. Auf drei Ebenen finden Einheimische und Touristen hier Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, sauer oder scharf Eingelegtes und natürlich Salami. Unterm Dach lockt ein Krimskrams-Süßigkeiten-Souvenir Paradies, das vor allem Kinderherzen höher schlagen lässt.

Sein schönstes Gesicht zeigt Budapest am Fluss bei Nacht. Hier im Bild der Gellértberg mit Zitadelle und Freiheitsstatue.

Budapest ist berühmt für seine Brücken und die großartige Aussicht über die beiden Stadtteile Buda und Pest. Auf der auffällig grünen Freiheitsbrücke mit spektakulärer Architektur treffen sich abends auch die Einheimischen, um zu quatschen, auf dem Smatphone zu daddeln oder einfach abzuhängen.

Direkt gegenüber der Freiheitsbrücke, die einst den Namen des Habsburger  Kaisers Franz Joseph I trug, leuchtet Budapests kleine "Golden-Gate Bridge" herüber. Sie heißt zu Ehren von Franz Josephs Gattin Sisi "Elisabeth-Brücke". Hinter der erheben sich prachtvoll die Burg von Buda und die Matthiaskirche, in der Sisi und Franz am 8. Juni 1867 zum ungarischen Königspaar gekrönt wurden.

Stand: 04.06.2019, 18:15 Uhr