Das Glück liegt auf der Alp

Das Glück liegt auf der Alp

Ende Mai, Anfang Juni treiben die Bauern im Allgäu ihr Vieh auf die Bergweiden der Alpen. Von diesem Tag an kann man wieder die Kuhglocken hören. Im Gegensatz zum Alpabtrieb, dem Viehscheid, sind die Tiere beim Alpaufzug nicht festlich geschmückt.

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Die Fangisalp auf 2.000 Höhenmetern ist eine der insgesamt drei Hütten umfassenden Sennergemeinschaft. Das Haupthaus wurde erst 1998 errichtet und ist mit seinem Stromanschluss geradezu luxuriös. Früher war das Leben hier noch einfacher.

Die Fangisalp auf 2.000 Höhenmetern ist eine der insgesamt drei Hütten umfassenden Sennergemeinschaft. Das Haupthaus wurde erst 1998 errichtet und ist mit seinem Stromanschluss geradezu luxuriös. Früher war das Leben hier noch einfacher.

Lilian und Hans-Uerli Walthard betreiben die Fangisalp. Bevor sie sich morgens an den Frühstückstisch setzen, haben sie schon harte Arbeit getan: Die Kühe wurden gemolken, der Ofen beheizt, das Wasser wurde erhitzt und das Melkgeschirr gewaschen. Die Butter, die Lilian auf ihr Frühstücksbrot streicht, hat sie zuvor aus frischem Rahm geschlagen. Die Käsemasse wartet in der Stube nebenan auf die weitere Verarbeitung.

Lilian presst die frische Käsemasse. Aus dem körnigen Brei entsteht so ein festes Stück.

Der Ofen wird selbstverständlich mit Brennholz befeuert. In dem großen Kessel wird das gesamte heiße Wasser zubereitet - das für die Käsewirtschaft genauso wie das Duschwasser.

Das Brennholz, das für die Warmwasserbereitung benötigt wird, muss vom Tal hoch transportiert und dann vor Ort zugeschnitten werden - Teil der täglichen Arbeit auf der Alp.

Auch wenn der Blick aus dem Küchenfenster idyllisch ist – so ist der permanente Brennholzgeruch in der Küche weniger angenehm.

Das Stallmisten gehört ebenso zu den täglichen Aufgaben von Lilian und Hans. Zum Glück gibt es auf der Alp fließendes Wasser.

Nur einige Tiere grasen in unmittelbarer Nähe der Alp. Kühe, die bald kalben, werden abends wieder in den Stall geholt. Der Großteil der Herde verbringt aber die Sommermonate ausschließlich draußen und kehrt erst mit dem Alpabtrieb wieder in ihre Stallungen zurück.

Diese großen Kuhglocken sind Treicheln. Die aus Eisen geschmiedeten, herzförmigen Glocken erzeugen einen etwas blechernen Sound. Bronzeglocken dagegen bestehen aus einer Zinn-Kupfer-Legierung. Sie sind Kirchenglocken in Miniatur und werden nach dem gleichen Verfahren gegossen.

Wenn es Zeit ist für den Alpabtrieb, wird der Stier auf den Transporter verladen. Freiwillig geht er nicht. Dabei ist der Rückweg zum Stall für ihn weniger anstrengend als für die anderen Tiere - die müssen selbst die Berge hinunter laufen.

Das Wetter passt zur melancholischen Stimmung: Dichter Nebel liegt über den Bergen, als die Tiere am Ende der Alpsaison die Berge hinunter getrieben werden.
Bilder/Autor des Features: Kai Adler

Stand: 02.06.2018, 10:05 Uhr