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NRW-Tipp: Gescher

Drei Arbeiter während eines Glockengusses

NRW-Tipp: Gescher

Im westfälischen Gescher werden Glocken nach jahrhundertealten Verfahren und Traditionen hergestellt. Ein Besuch in einer der letzten Glockengießereien in Deutschland lohnt sich also, ebenso das Glockenmuseum nebenan.

Das Westfälische Glockenmuseum

Das Westfälische Glockenmuseum

Gescher ist ein kleiner Ort nahe der niederländischen Grenze. Mitten im Zentrum liegt das Westfälische Glockenmuseum, ein ganz moderner Bau ohne Glockenturm. In einer großen nüchternen Halle steht eine Glocke neben der anderen, kleine und große, eine riesige Vielfalt. Hier beginnen auch die Führungen, bei denen man Erstaunliches zu den klingenden Kelchen erfährt. Über die unscheinbaren schwarzen Glocken z.B., die an Kuhglocken erinnern und heftig scheppern. "Das ist eine Eisenblechglocke", sagt Führerin Elisabeth Vornholt, "mit der Mönche umherzogen und die Menschen anlockten. Die Glocken haben enorm dazu beigetragen, das Christentum zu verbreiten." Neue, blitzende Glocken sucht man hier vergebens. Sie haben alle Kratzer und grau grüne Patina angesetzt.

Glocken als Instrument

Glocken sind hauptsächlich aus Bronze und Eisen. Die Machart bestimmt den Ton. Und womit sie angeschlagen werden. Im Musikraum des Museums werden sie als Musikinstrumente präsentiert. Das ist schon eine Kunst im Gegensatz zum herkömmlichen Läuten. Die Melodien variieren mit der Anzahl der vorhandenen Glocken. Zum krönenden Abschluss der Führungen gibt es noch eine kleine musikalische Vorführung, wie verschieden Glocken klingen können. Aber wie werden sie gemacht?

Glockengießen – Handwerk bis heute

Einige Arbeiter der Glockenmanufaktur beim Glockenguss

In der Glockenmanufaktur

Aufschluss gibt der Besuch in der Glocken-Manufaktur direkt gegenüber dem Museum. Sie heißt "Petit & Gebrüder Edelbrock" und ist eine von noch vier Glockengießereien in Deutschland. Darauf ist Geschäftsführer Dirk Hüttemann schon stolz: "Es ist wie ein aktives Industriemuseum. Die Firma existiert seit 1690, die ganze Stadt wurde drum herum gebaut." Die Technik des Glockengießens hat sich bis heute kaum verändert. In der ca. fünf Meter großen Glockengrube mitten in einer sehr hohen Halle entsteht die Glockenform. Sie wird nach einer Schablone aus Ziegeln und Lehm erstellt. Ein spannender Prozess, und nur bei Führungen zu erleben.

Autorin: Angelika Gördes-Giesen
Redaktion: Marion Grob

NRW-Tipp: Gescher

WDR 5 Mit Neugier unterwegs - Das Reisemagazin 01.02.2020 06:00 Min. Verfügbar bis 30.01.2021 WDR 5 Von Angelika Gördes-Giesen

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