Brighton – Das pralle Leben am Ärmelkanal

Brighton – Das pralle Leben am Ärmelkanal

Brighton, das "London by the Sea", ist Englands heimliche Hauptstadt für Künstler, Alternative, Schwule und Lesben. Unkonventionelles Denken trifft hier auf Tradition, wie in keiner anderen Stadt Großbritanniens. Ein Rundgang.

Brightons Kiesstrand mit den Ruinen des West Piers und dem British Airways i360 Aussichtsturm.

Neu gegen alt, David gegen Goliath: Der West Pier ragt seit einem Brand im Jahr 2003 nur noch als Ruine aus dem Meer. Direkt gegenüber an der Strandpromenade steht der wuchtige und hochmoderne Pfahl des British Airways i360. Brightons "vertikaler Pier" wurde vor zwei Jahren eröffnet. Mehrmals täglich gleitet eine gläserne Aussichtskanzel an dem Pfahl empor, von der aus Fahrgäste einen 360 Grad-Blick auf die umliegende Landschaft werfen können.

Neu gegen alt, David gegen Goliath: Der West Pier ragt seit einem Brand im Jahr 2003 nur noch als Ruine aus dem Meer. Direkt gegenüber an der Strandpromenade steht der wuchtige und hochmoderne Pfahl des British Airways i360. Brightons "vertikaler Pier" wurde vor zwei Jahren eröffnet. Mehrmals täglich gleitet eine gläserne Aussichtskanzel an dem Pfahl empor, von der aus Fahrgäste einen 360 Grad-Blick auf die umliegende Landschaft werfen können.

Manche Einwohner Brightons sind dem i360 skeptisch gegenüber: Zu aufdringlich, zu modern. Er trägt inzwischen eine Reihe von Spitznahmen, wie zum Beispiel "Doughnut on a Stick". Für seinen Bau ist das Londoner Architekten-Duo Marks Barfield Architects verantwortlich, die auch das London Eye enworfen haben.

Bei einem Glas Sekt können die Fahrgäste die Aussicht auf die schneeweißen Kreideklippen der Seven Sisters, die Yachten an den Anlegestellen des Hafens und den Blick auf den South Downs Nationalparks genießen. Bei klaren Sichtverhältnissen reicht der Blick bis zu 40 Kilometer weit. Eine Fahrt dauert rund eine Viertelstunde und kostet umgerechnet 17,50 Euro.

Unweit der Strandpromenade in in der Black Lion Street befindet sich der Black Lions Pub, der früher einmal eine Brauerei war. Der heutige Pub ist eine der ältesten Brauereien der Welt. Sie wurde im Jahr 1545 eröffnet. Direkt nebenan befindet sich das Cricketers, Brightons erster Pub, der 1547 seine Pforten öffnete. Hier soll Jack the Ripper gastiert und seine Verbrechen geplant haben, bevor er sie in London begangen hat.

Torten, Kitsch und Gothic aus Schokolade – das Choccywoccydoodah ist das wohl extravaganteste Schokoladengeschäft des Landes. In der oberen Etage des Choccywoccydoodah, direkt über dem Verkaufsraum, befinden sich Räume, die Kunden für zügellose Schokoladen-Exzesse mieten können. Dort türmen sich dann Schoko-Menüs, so üppig, dass sich beinahe die Tische biegen.

Wo die Torten und Süßigkeiten hergestellt werden, wird geheim gehalten. Bevor Assistant Managerin Anna anfing, im Choccywoccydoodah zu arbeiten musste sie eine Schweigepflicht unterschreiben. Anna meint, King George IV., von 1820 bis 1830 König des Vereinigten Königreichs und Irland, hätte sich im Choccywoccydoodah wohlgefühlt. Der exzentrische Lebemann ist bis heute Brightons Ikone und hat den unkonventionellen Stil der Stadt geprägt.

Zu verdanken hat Brighton King George IV. auch den Royal Pavilion, der das heutige Wahrzeichen der Stadt ist. Die königliche Sommerresidenz wurde nach dem Vorbild indischer Mogulpaläste erbaut und 1822 fertiggestellt. Das Innere des Palastes ist in chinesischem Stil gehalten. Während des Ersten Weltkriegs diente der Royal Pavilion als Lazarett für indische Soldaten. Heute ist der Palast ein Museum.

Die Kunsthistorikerin Alexandra Loske arbeitet seit zehn Jahren am Royal Pavilion und kennt jeden Winkel des Palastes. In den Bankettsaal lud George IV. regelmäßig zu ausschweifenden Dinners ein. Die Festmahle, vorzugsweise französisch, dauerten mehrere Stunden lang. Anschließend hatten die Gäste Gelegenheit, sich im benachbarten Separée auszuruhen.

Die North Laines sind Brightons alternatives Geschäftsviertel. Hier gibt es von veganen Cafés über Second Hand Shops und Esoterik-Shops bis hin zum vegetarisches Schuhgeschäft alles, was ein hippes Viertel braucht. Es wird recylcled, was das Zeug hält. Brighton ist die Stadt mit der höchsten Dichte an Second Hand-Läden in ganz Großbritannien.

Das Marwood ist das wohl schrillste Café der Stadt. Einrichtung und Deko bestehen hauptsächlich aus Fundstücken. Hier tummeln sich Kreative, Künstler und Studenten. Brighton zieht viele junge Leute an, es gibt zwei Universitäten mit mehr als 40.000 Studierenden, die aus allen Ecken der Welt kommen.

Wer einmal in Brighton war, will diese Stadt mit ihren herzlichen Bewohnern, den verwinkelten Gassen, Parks und Cafés ungern wieder verlassen. Vor allem im Sommer ist die Stadt ein Besucher-Magnet. Nicht nur ausländische Touristen, auch großstadtmüde Londoner zieht es für einen Tagesausflug an Brightons Kiesstrand.

Stand: 22.05.2018, 15:03 Uhr