Warum Plätze die Klimaanlagen der Städte sind

Warum Plätze die Klimaanlagen der Städte sind

Großstädte müssen auf den Klimawandel reagieren, denn in Zukunft wird es in den dicht bebauten Zentren noch länger trocken und heiß sein. Klimaforscher empfehlen deshalb: Pflanzt mehr Bäume!

Autobahnauffahrt umgeben von Bäumen

Viele Städter klagen über zu viel Verkehr – träumen aber trotzdem von einem Parkplatz vor der Tür. Der Raum für neue Wohn- und Grünflächen ist knapp, alle Ansprüche zu berücksichtigen, ist schwierig. Dennoch muss der Grünanteil drastisch erhöht werden, ergeben die Berechnungen und Studien des Münchener Instituts für Stadtnatur und Klimaanpassung.

Viele Städter klagen über zu viel Verkehr – träumen aber trotzdem von einem Parkplatz vor der Tür. Der Raum für neue Wohn- und Grünflächen ist knapp, alle Ansprüche zu berücksichtigen, ist schwierig. Dennoch muss der Grünanteil drastisch erhöht werden, ergeben die Berechnungen und Studien des Münchener Instituts für Stadtnatur und Klimaanpassung.

Der Klimawandel hat längst begonnen. Nun ist es an der Zeit, dass sich die Städte damit arrangieren. Denn zubetonierte Städte sorgen für Hitzestau. Gründe dafür sind der schlechten Luftaustausch, die Wärmespeicherung von Gebäuden und Straßen und die Belastung durch den Verkehr. Gut für das Stadtklima sind deshalb möglichst große und möglichst viele Plätze und Grünflächen. Denn sie drücken die Temperaturen.

Noch wichtiger als Rasenflächen sind Bäume. "Die Gestaltung mit Bäumen ist vor allem wichtig, wenn man hochsommerliche Hitzebelastungen vermeiden will, weil Bäume Schatten spenden und auch durch Verdunstung kühlen, also effektiver sind als andere Formen des Grüns wie Rasenflächen", erklärt Stefan Pauleit vom Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung an der TU München.

"Wir haben in unseren Untersuchungen festgestellt, dass man den Baumanteil in einem sehr dicht bebauten Innenstadtbereich massiv erhöhen müsste, also von vielleicht heute zehn Prozent auf 20 Prozent oder 25 Prozent, um die Klimawandelauswirkung bis 2050 abpuffern zu können", so der Forscher Stefan Pauleit.

Die Mischung macht's: Ein Park mit Bäumen, Rasenflächen, Brunnen, Flüssen oder Seen sorgt für Kühlung. Je nach Größe hat er sogar Auswirkungen auf die angrenzenden Stadtviertel.

Der 210 Hektar große Berliner Tiergarten kann laut Studien auch bis zu einem Kilometer hinein die angrenzende Bebauung kühlen und die Temperaturen dort senken. Die Grünanlage wurde im 16. Jahrhundert angelegt, als Jagdgebiet für die Kurfürsten von Brandenburg. Eine so große Fläche ist in heutigen Großstädten nicht frei. Aber auch ein Netz aus vielen kleine Parks, bestenfalls ergänzt mit begrünten Fassaden und Dächern, hat eine spürbare Wirkung auf das Stadtklima.

Auch die jüngste "Klimaanalyse NRW" des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz beschäftigt sich mit der Hitzebelastung, die der Klimawandel für die Bevölkerung bedeutet. In den Ballungsräumen könne die Temperatur bis zu zehn Grad höher sein als in den ländlichen Gebieten, so ein Ergebnis. Schon jetzt seien 5,3 Millionen Menschen aus NRW "von besonders großen Hitzebelastungen" betroffen. Bis 2050 könnten es neun Millionen sein, schätzt die Landesbehörde.

Ein Vorbild in Sachen klimafreundlicher Stadtentwicklung ist Essen. Die Ruhrgebietsstadt mit rund 590.000 Einwohnern war 2017 die "Grüne Hauptstadt Europas". Sie konnte die Europäische Kommission mit großzügigen Parklandschaften, einem dichten Netz von Radwegen und vielen renaturierten Bach- und Flussläufen überzeugen. Mit mehr als 3.000 Hektar Grün- und Waldflächen zählt Essen zur drittgrünsten Stadt Deutschlands. Und sie hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 soll jeder Essener nur maximal 500 Meter bis zum nächsten Grün zurücklegen müssen. Autor des Hörfunkbeitrags ist Marcus Schwandner.

Stand: 09.07.2018, 12:00 Uhr