Die neue Trinkwasserverordnung

Goldener tropfender Wasserhahn

Stichwort Wirtschaft

Die neue Trinkwasserverordnung

Von Karl Lohrengel

Die neue Trinkwasserverordnung verpflichtet vor allem die Besitzer größerer Mietshäuser, das Trinkwasser auf Legionellen untersuchen zu lassen. Legionellen sind winzige Stäbchenbakterien, die eine schwere Krankheiten auslösen können.

Die jetzt geänderte Trinkwasserverordnung verpflichtet vor allem die Besitzer größerer Mietshäuser, das Trinkwasser auf Legionellen untersuchen zu lassen. Legionellen sind winzige Stäbchenbakterien, die eine schwere Lungenentzündung oder das leichtere Pontiac-Fieber auslösen können.

Tödliche Keime im Wasser

Legionellen werden nicht etwa beim Trinken aufgenommen sondern über die Lunge durch zerstäubtes Wasser, beispielsweise beim Duschen. Bis zu 4800 durch Legionellen ausgelöste Erkrankungen enden jedes Jahr in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamts tödlich. Legionellen können sich in Trinkwasserleitungen und Behältern explosionsartig vermehren, wenn das Wasser nicht kalt oder nicht warm genug ist – besonders gefährlich ist es, wenn Wasser tagelang in Leitungen bei Temperaturen zwischen 25 und 55 Grad Celsius steht.

Gefahr steckt in den Rohren

Verschmutzungen durch Heizungs- oder Regenwasser erhöhen das Legionellen-Risiko deutlich. Die Trinkwasserverordnung verpflichtet jetzt Besitzer von Mehrfamilienhäusern ihre Trinkwassererwärmungsanlagen an das zuständige Gesundheitsamt zu melden, wenn sie ein Speichervolumen von mehr als 400 Litern haben – das ist oft in größeren Häusern mit einer zentralen Warmwasserversorgung der Fall – oder wenn zwischen Wassererwärmer und Hahn mehr als drei Liter Wasser stehen, beispielsweise bei Boilern und Durchlauferhitzern mit sehr langen Rohrsystemen. In einem zweiten Schritt müssen die Besitzer dieser Anlagen das warme Wasser untersuchen lassen – und zwar jährlich.

Teure Gesundheitsprüfungen

Besonders zertifizierte Unternehmen entnehmen normalerweise an drei verschiedenen Stellen im Haus Wasserproben, die anschließend von einem ebenfalls zertifizierten Labor untersucht werden. Stellt das eine Überschreitung des sogenannten Maßnahmewerts von 100 Legionellen pro 100 Milliliter Trinkwasser mit, entscheidet das Gesundheitsamt, was weiter geschehen soll. Vermieter, die diesen Pflichten nicht nachkommen, können drakonisch bestraft werden, mit Bußgeldern bis 25.000 Euro oder einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

Mieter müssen Prüfungen bezahlen

Sie müssen auch die Kosten der Legionellen-Untersuchung zahlen, die der Eigentümerverband Haus und Grund für ein normales Acht-Familien-Haus auf etwa 200 Euro jährlich beziffert. Allerdings können diese Ausgaben im Rahmen der Betriebskostenabrechnung auf die Mieter überwälzt werden. Kritiker beklagen deshalb, die Legionellen-Untersuchung verteuere das Wohnen. Außerdem hätten die Gesundheitsämter viel zu wenig Personal, um die zusätzlichen Aufgaben durchführen zu können. Haus und Grund nennt die Untersuchung eine "überflüssige Prüfungspflicht".

Stand: 02.11.2011, 18:05