Der weite Weg zur Digitalisierung in Schulen

Schüler nutzen Tablets im Mathematik-Unterricht

Der weite Weg zur Digitalisierung in Schulen

Von Daniel Wolf

  • Didaktische Konzepte sind nötig
  • Schulen und Verlage uneinig über Inhalte
  • Offene Kostenfragen


Notebooks und Tablets statt Schulhefte und Lehrbücher: Das führt zwar noch nicht erwiesenermaßen zu besserem Unterricht. Schüler lernen aber, die Geräte zielgerichtet zu nutzen, und bekommen digitale Medienkompetenz mit auf den Weg in ihr Berufsleben. Deswegen sind sich Politik, Wirtschaft, Lehrer und Eltern zwar einig, dass der digitale Wandel in deutschen Schulen kommen soll. Auf dem Weg sind aber noch einige Hürden zu nehmen

Netzausbau und Finanzierung fraglich

Beim Thema Breitbandausbau steht der Bund seit Jahren in der Kritik von Verbrauchern und Wirtschaftsvertretern. Neben einer schnellen Internetleitung brauchen Schulen auch leistungsstarke Wlan-Netze. Zudem ist die Finanzierungsfrage offen: Eltern wollen die Endgeräte ihrer Kinder möglichst nicht selbst zahlen, die Schulträger – in der Regel die Kommunen – können es nicht. Viele warten noch auf die fünf Milliarden Euro aus dem von Ex-Bildungsministerin Johanna Wanka versprochenen Digitalpakt zwischen Bund und Ländern.


Wie digital sind unsere Schulen?

WDR 5 Profit - aktuell | 09.04.2018 | 04:01 Min.

Download

Zuständigkeiten und Konzepte fehlen

Experten warnen: Nur Geld zu verlangen, das sei von Seiten der Schulen und ihrer Träger zu wenig. Als Bedingung für Förderung müsse ein pädagogisches Konzept für die Einbindung in den Unterricht vorliegen. Sonst werde im Zweifel nur Geld für die falschen Geräte ausgegeben. Noch scheinen klare Zuständigkeiten und Vorgaben zu fehlen. Die Folge ist ein Kompetenzwirrwarr: Schulleitungen, Kommunen, Länder und der Bund arbeiten kaum koordiniert, es existieren nur wenige Gemeinschaftsprojekte. Das gesetzliche Kooperationsverbot zwischen den Ländern in Bildungsfragen wird in diesem Zusammenhang von vielen Seiten kritisiert.

Große Bildungsverlage stehen unter Druck

Während neue Anbieter für Online-Lernplattformen auf den Zug aufspringen, machen die klassischen Bildungsverlage mit ihren digitalen Inhalten noch keinen nennenswerten Umsatz. Manche Schulvertreter und Branchenbeobachter kritisieren, die großen drei Verlage – Cornelsen, Klett und Westermann – hielten zu beharrlich am Format des Schulbuchs fest und stellten wirtschaftliche Planungssicherheit vor Innovationen. Klett und Westermann bestreiten das: Ihre digitalen Schulbücher seien interaktiv und böten einen Mehrwert, den die Schulen ihrerseits noch nicht voll nutzten. Viele Lehrer scheuten sich aus Gewohnheit und Angst vor Autoritätsverlust vor neuen Lehrwegen.

Stand: 09.04.2018, 11:25