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Mehrere Wohnungsgesuche hängen an einem Schwarzen Brett

Unbezahlbares Studium?

Stand: 22.09.2022, 16:20 Uhr

Mieten, die durch die Decke gehen, steigende Energie- und Lebensmittelkosten: Studierende treffen die Phänomene der Gegenwart hart. Ihnen muss geholfen werden, meint Lena Sterz. Niemand sollte ein Studium verwerfen, aus Angst, es nicht finanzieren zu können.

Von Lena Sterz

Als Student oder Studentin eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden, war noch nie einfach. Gerade Ende September sind viele auf der Suche, bevor das Semester losgeht. Die wenigen Zimmer, die aktuell auf dem Markt sind, waren jedoch noch nie so teuer wie jetzt.  

Die Mietpreise steigen rasant

Mehr als 780 Euro kostet eine stinknormale 30-Quadratmeter-Wohnung in Stuttgart und München in Uni-Nähe. Und falls Sie dachten Berlin ist günstig: Selbst dort kostet so eine 30 Quadratmeter-Wohnung im Schnitt mittlerweile über 700 Euro.  In Münster sind es immerhin fast 600 Euro durchschnittlich. WG-Zimmer sind allein innerhalb des letzten Jahres laut den Berechnungen um fast 10 Prozent teurer geworden, kleine Wohnungen knapp 6 Prozent innerhalb des letzten Jahres teurer. Trifft sich gut mit der Inflation und den besonders gestiegenen Lebensmittel- und Energiekosten – wenn man eh schon wenig Geld hat, gibt man ja sein ganzes Geld für genau das aus: Miete, Nebenkosten, Essen. Vielen Studierenden steht das Wasser deshalb bis zum Hals. Selbst die Uni-Mensen erhöhen jetzt schon ihre Preise.

Das trifft die, die aktuell schon studieren – macht aber auch denen Angst, die kurz vor dem Abi stehen: Wie soll man da ohne massive Finanzspritze der Familie durchs Studium kommen? Und was, wenn die das Geld nicht hat?

Die Unterstützung des Staats reicht nicht

Das Bafög wurde zwar gerade erhöht. Aber mit 860 Euro Höchstsatz lag es vielleicht noch nie so weit entfernt vom eigentlichen Bedarf wie jetzt. Denn der Mietkosten-anteil davon liegt bei gerade 360 Euro– schade nur, dass man dafür höchstens in Chemnitz oder Magdeburg eine kleine Wohnung bekommt. In teuren Städten hat man mit diesem Budget die Wahl zwischen einer Studenten-Verbindung und einem Abstellkammer-großen Zimmer – außer man gehört zu den Glücklichen 10 Prozent, die ein Zimmer im Studentenwohnheim ergattert haben.

Damit Studenten und Studentinnen zum Semesterstart nicht obdachlos sind, sollte der ein oder andere aus der älteren Generation mit großem, halb leer stehendem Haus jetzt Zimmer online inserieren, bestenfalls günstig. Selbst wenn es nur für ein paar Monate ist, bis eine richtige WG gefunden ist. Kurzfristig muss das Bafög weiter erhöht werden.  Um das Problem langfristig zu lösen, muss der Staat massiv in Studentenwohnheime investieren.

Unbezahlbares Studium?

WDR 5 Politikum - Kommentar 22.09.2022 02:23 Min. Verfügbar bis 22.09.2023 WDR 5


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Redaktion: Kerstin Steinbrecher