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Söder ist angreifbar

Markus Söder (CSU) spricht zur Presse.

Söder ist angreifbar

Von Gregor Peter Schmitz

Seine Niederlage gegen Armin Laschet hat Markus Söder noch immer nicht verdaut. Aber langsam muss er sich einen Ruck geben, meint Gregor Peter Schmitz: Wenn Söder sich nicht für die Union ins Zeug legt, könnte ihm das auf die Füße fallen.

Muss man sich Markus Söder nicht als einen glücklichen Menschen und Politiker vorstellen? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte der bayerische Ministerpräsident im Wahlkampf einen unschätzbaren Vorteil gegenüber seinem NRW-Amtskollegen Armin Laschet.

Selbsternannter „Kandidat der Herzen“

Sollte es im September bei der Bundestagswahl nicht rund laufen für die Union, steht ein Sündenbock schon parat: Laschet, der sich an Söder vorbei zur Kanzlerkandidatur drängelte. Söder, selbsternannter „Kandidat der Herzen“, könnte dann einfach sagen: An mir lag es nicht, mich wolltet ihr ja nicht. Warum also sollte er sich in den kommenden Monaten ein Bein für Laschet ausreißen?

Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, wie riskant es für den vermeintlichen bayerischen Riesen sein könnte, sich zurückzuhalten. Laschet nämlich könnte sich auch mit einem schwachen Wahlergebnis durchaus ins Kanzleramt retten – und vielleicht gewinnt er sogar neues Profil, wenn er jetzt nach der Regenkatastrophe entschlossen handelt.

Söder hat bislang bei keiner Wahl wirklich überzeugt

Söder hingegen steht unter Druck, weil er (anders als Laschet einst in Nordrhein-Westfalen) als Ministerpräsident bislang bei keiner Wahl wirklich überzeugt hat, ganz im Gegenteil. 2018 fuhr Söder ein historisch schlechtes Ergebnis für die CSU ein. Bei der Europawahl im Jahr darauf lief es – selbst mit einem bayerischen Spitzenkandidaten für Europa – nicht so viel besser.

Hartnäckig kritteln in der CSU manche, Söder treibe zwar seine eigenen Popularitätswerte hoch, aber nicht die seiner Partei. Sollte sich dieser Trend im September fortsetzen, wird diese Kritik lauter werden und der vermeintlich unantastbare Parteivorsitzende und Ministerpräsident nicht mehr ganz so unantastbar sein.

Für Laschet und die Union ins Zeug legen

Auch der Anspruch der CSU, in Berlin und in der Union ein ganz gewichtiges Wort mitzureden, würde dann schrumpfen. Es mag Söder, der fest überzeugt ist, der bessere Kanzlerkandidat zu sein, zwar schwerfallen: Aber er muss sich nun für Laschet und die Union ins Zeug legen – schon um selbst der ganz starke Mann der CSU zu bleiben. 

Söder ist angreifbar

WDR 5 Politikum - Kommentar 15.07.2021 01:58 Min. Verfügbar bis 15.07.2022 WDR 5 Von Gregor Peter Schmitz


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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 15.07.2021, 12:50