Säbelrasseln für die Innenpolitik

Der russische Präsident, Vladimir Putin, und der amerikanische Präsident, Donald Trump, unterhalten sich.

Säbelrasseln für die Innenpolitik

Die Rhetorik ist offensiver als im Kalten Krieg. Doch innenpolitisch wollen und können sich Putin und Trump eine militärische Konfrontation nicht leisten, kommentiert Christoph von Marschall.

Es kann einem Angst und Bange werden, wenn man die Drohungen Donald Trumps und Wladimir Putins hört. Der syrische Bürgerkrieg ist schlimm genug. Führt er nun auch noch zu einer militärischen Konfrontation zwischen den USA und Russland?

Kriegsrhetorik dient innenpolitischen Zielen

Die Rhetorik ist offensiver als im Kalten Krieg. Damals achteten beide Seiten darauf, eine unkontrollierte Zuspitzung zu vermeiden. Ein Giftgaseinsatz eines Verbündeten wäre nicht tolerierbar gewesen. Er ist auch heute eine „rote Linie“. Der syrische Diktator Assad, ein Schützling Putins, setzt augenscheinlich Giftgas ein, um Aufständische zu terrorisieren. Trump hat das bereits vor einem Jahr mit einem Luftangriff beantwortet. Nun will er das erneut tun. Der Unterschied: Putin sagt heute, russisches Militär werde jede amerikanische Rakete auf Syrien abfangen. Worauf Trump entgegnet: Dann mach dich bereit, Russland. Denn die Raketen werden kommen.

Was treibt Trump und Putin dazu, den Krieg der Worte zu eskalieren? Es geht ihnen nicht um Syrien. Es geht beiden um die Innenpolitik. Trump will sich von Vorgänger Barack Obama absetzen. Der habe nicht gehandelt, als es darauf ankam. Trump inszeniert sich als Mann der Tat. Amerika soll wieder geachtet werden. Ähnliche Interessen verfolgt Putin. Russland war im Niedergang. Er verhilft der ehemaligen Supermacht zu neuem Stolz. Wir fürchten niemanden, verspricht er. Wir agieren auf Augenhöhe mit den USA. Das ist Aufschneiderei, global gesehen. Die USA haben eine mehr als zehn Mal so große Wirtschaftskraft. Russland kann eine umfassende Konfrontation nicht gewinnen. Aber an einzelnen Orten kann Moskau die Oberhand behalten, vor allem wenn die USA nur begrenzt handeln wollen wie in Syrien.

Kein Krieg zwischen den Großmächten

Das Beruhigende ist, aller Kriegsrhetorik zum Trotz: Weder Trump noch Putin möchten den direkten Konflikt – und auch das aus innenpolitischen Gründen. Trumps Ziel lautet: Den US-Bürgern soll es besser gehen. Er möchte das Steuergeld im Inland ausgeben. Er scheut Kosten im Ausland, egal ob Steuerdollar oder tote US-Soldaten. Da trifft er sich mit Putin. Auch der will raus aus Syrien. Der russische Militäreinsatz, um Diktator Assad zu retten, kostet – in Rubeln und in Särgen mit toten Russen.

Das ist das Paradoxe am Tarzan-Gehabe von Trump und Putin: Sie trommeln sich auf die Brust, um in der Innenpolitik das globale Alphatier zu spielen. Zugleich begrenzt die Innenpolitik ihre Konfliktbereitschaft. Ihre Drohungen sind zugleich Ankündigungen, was sie tun werden und was nicht. Einige Raketen werden fliegen. Ein Krieg zwischen Großmächten wird daraus nicht.

Säbelrasseln für die Innenpolitik

WDR 5 Politikum - Kommentar | 12.04.2018 | 02:40 Min.

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 12.04.2018, 16:21