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Soldaten gehören in die Öffentlichkeit

Ein Blick auf die Schulterpartie der Uniform eines deutschen Bundeswehrsoldaten

Soldaten gehören in die Öffentlichkeit

Wir müssen von Soldaten erwarten, dass sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen, meint Albrecht von Lucke. Aber wir müssen ihnen auch öffentlich Anerkennung zollen, damit sie sich als Teil der Gesellschaft fühlen.

Bürger, aber in Uniform!
Von Albrecht von Lucke

Heute hat der Wehrbeauftragte seinen Fokus auf das Befinden der Armee gelegt: Wie geht es den Soldaten? Was sind ihre hauptsächlichen Klagen?

In letzter Zeit häufen sich allerdings auch die Klagen der Gesellschaft über die Armee – seit nämlich bekannt wurde, dass sich die Zahl rechtsextremistischer Soldaten nicht unerheblich erhöht hat.

Das Grundgesetz als Selbstverständnis

Das ist ein völlig unhaltbarer Zustand. Dass sich Soldaten auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen, muss eine Selbstverständlichkeit sein – die es aber offensichtlich nicht immer ist. Insbesondere nicht bei der KSK, der Spezial- und Eliteeinheit der Bundeswehr, wie der jüngste Bericht des Militärischen Abschirmdienstes belegt. Die hohe Zahl an Rechtsextremisten bei der KSK weckt böse Erinnerungen an die Weimarer Republik, als die Armee schon einmal zum Staat im Staate wurde – gegen Rechtsstaat und Demokratie. 

Offensichtlich kommt es heute wieder weit stärker darauf an, den Soldaten klar zu machen, was es bedeutet, „Bürger in Uniform“ zu sein – nämlich die Verpflichtung auf das Grundgesetz und die freiheitliche, demokratische Republik.

Wer allerdings bereit ist, für diese Republik im Kriegseinsatz sein Leben zu opfern, darf umgekehrt auch erwarten, dass er nicht nur die beste Ausrüstung erhält, sondern vor allem auch breiten gesellschaftlichen Respekt für seine gefährliche Tätigkeit. An beidem hat es seit Beginn der Republik erheblich gemangelt.

Die Zivilgesellschaft muss Soldaten anders wahrnehmen

Deshalb reicht es eben nicht aus, wie die vormalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzustellen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Soldaten endlich auch sichtbare Anerkennung erfahren. Die sogenannte Zivilgesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass auch die Soldaten Teil dieser freiheitlichen Gesellschaft sind – und dass „Bürger in Uniform“ neben „dem Bürger“ eben auch „die Uniform“ meint. Sprich: dass die Soldaten als Soldaten in die Öffentlichkeit gehören.

Deshalb war es so wichtig, dass die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer öffentliche Gelöbnisse gefordert hat und zwar auch vor dem Reichstag. Denn wo, wenn nicht vor den Bundestag, gehört unsere Bundeswehr als eine Parlamentsarmee?

Und es ist ebenso richtig, dass Bundeswehrsoldaten in Uniform jetzt kostenlos mit der Bundesbahn fahren dürfen. Gewiss ist dieses neue Bild für den einen oder die andere noch gewöhnungsbedürftig. Aber eines ist ganz klar: Öffentliche Sichtbarkeit fördert die Anerkennung. Und nur aus Anerkennung, die einem selbst zuteil wird, erwächst die Bereitschaft, sich für Demokratie und Rechtsstaat wirklich einzusetzen.

Soldaten gehören in die Öffentlichkeit

WDR 5 Politikum - Kommentar 28.01.2020 02:32 Min. Verfügbar bis 27.01.2021 WDR 5

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Redaktion: Consuelo Squillante