Eine einschüchternde Moschee

Menschen stehen bei der Eröffnung der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld vor dem Eingang

Eine einschüchternde Moschee

Eine umstrittene Eröffnung durch Präsident Erdogan statt eines Volksfestes für alle. Wird die Moschee in Köln-Ehrenfeld jetzt endgültig ein Symbol kultureller Konflikte? Carolin Courts hat den Nachbarn den Puls gefühlt.

Kaum sind die Straßensperren entfernt, kommen die Schaulustigen: Am Tag nach der Erdogan-Eröffnung ist viel los rund um die Kölner Zentralmoschee. Mit mir sprechen möchte aber so gut wie niemand. Die Passanten zögern kurz und sagen dann fast alle dieselben zwei Worte: „Lieber nicht.“ Irgendwann erbarmt sich ein Besucher, der gerade rausgekommen ist, und gibt zu Protokoll: „Man darf reingehen, ist absolut schön, freundlich, alles schön sauber…“ Ich frage, ob auch ich, seiner Einschätzung nach, wohl hineingehen könnte… Der Besucher: „Ja! Gern! Sie sind gern gesehen da drinnen.“

Besuch unter Argusuagen

Also rauf auf die breite Freitreppe und hoch zum Vorplatz. Alle paar Meter stehen Ordnerinnen und Ordner und beobachten den Betrieb mit Argusaugen. Ich spreche eine Besucherin an. Sie gibt sich als Anwohnerin zu erkennen. Informationen oder gar eine Einladung zum Kennenlernen der Moschee habe sie nie erhalten, sagt sie. Gucken will sie trotzdem mal. Und? „Ich find den Bau - schön. Also, das ist das einzige, was mich jetzt hier herzieht“, sagt sie mit einem kleinen Lachen. „Dass man auch das Gefühl hat, man kann hier auch mal hochgehen, wie man auch den Kölner Dom besichtigt, das find ich jetzt sehr angenehm.“

Eine Ordnerin mit Kopftuch und neongelber Warnweste stellt sich direkt neben uns und überwacht den Gesprächsverlauf. An der Moscheewand hängt ein großes Plakat, das was von guter Nachbarschaft verspricht. Ich frage einen Besucher, ob er diesbezüglich Hoffnung habe: „Das wird sich zeigen, ich warte ja schon seit Jahren drauf, die wollten das hier aufmachen mit einem Basar oder sowas, zum Einkaufen?“

Kritische Fragen und Austausch scheinen unerwünscht

Dieser Dialog ist der Ditib-Ordnerin offenbar bereits zu kritisch. Sie untersagt mir weitere Gespräche vor dem Gebäude. Weniger als drei Minuten sind vergangen, seit ich den Vorplatz betreten habe, ich bin nicht einmal in die Nähe der Tür gekommen. Ich gehe zurück zur Straße. Der Mann, der die Szene gerade miterlebt hat, dreht ebenfalls um: „Da fühlt man sich kontrolliert. Ich hoffe, das wird hier lockerer auf Dauer.“

Hoffen kann man. Wobei die Eröffnung am Samstag ja auch ein Fanal der maximalen Ungeschmeidigkeit war. Kein Miteinander, keine Begegnung, keine Chance. Eine junge Frau, die unten vor dem Bau steht, fasst zusammen: „Es ist halt schon irgendwie ‘n mieser Start, ne?“ Ein junger Mann kommt die Treppe der Moschee herunter. Er sagt, dass er nur kurz reingeschaut habe. Ins Gespräch mit den Ditib-Leuten sei er nicht gekommen, man habe ihn vielmehr völlig ignoriert. Wie hat die Moschee auf ihn gewirkt? „Riesig und schon imposant, allerdings auch schon einschüchternd, irgendwie“, gibt er zu.

Kann man das noch umtauschen?

Einschüchterung statt Einladung also. Bei seiner Rede am Samstag hat Erdogan hier gesagt, die Türken hätten Deutschland mit dieser Moschee „solch ein schönes Geschenk gemacht“. Hoffen wir, sie haben den Bon behalten. Dann könnte man das Geschenk gegen etwas Konstruktiveres umtauschen.

Eine einschüchternde Moschee

WDR 5 Politikum - Meinungsreportage | 01.10.2018 | 03:02 Min.

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 01.10.2018, 11:38