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Technisches Doping

Johannes Rydzek freut sich über seine Goldmedaille

Technisches Doping

Von Marcus Tepper

Ein Medaillenregen für deutsche Athleten. Weil der Sport Vertrauen verspielt hat, liegt leider die Frage nah: Geht alles mit rechten Dingen vor sich? Marcus Tepper findet: Auch bei der Ausrüstung könnte man von Doping sprechen.

So goldig und gut war „Team-D“, wie sich die deutsche Olympiamannschaft neuerdings nennt, zuletzt vor 16 Jahren unterwegs. Im Obergeschoss des deutschen Hauses, dem Treffpunkt für Sportler, Edelfans und Medien hoch über Pyeongchang, wird fast jede Nacht kräftig gefeiert: Dort ist die Bar, steht das Buffet, wummern die Bassboxen. Oben fließt der Sekt, weiter unten im Haus der Schweiß. Denn im Untergeschoss hat sich „Team-D“ einen feinen Fitnessraum eingerichtet, wo die Athleten an modernsten Geräten für den Erfolg schuften. Oben Partyzentrale, unten Maschinenraum. Die High-Tech-Muckibude ist eine der Lieblingserklärungen der deutschen Funktionäre für den gegenwärtigen sportlichen Höhenflug.

Sportgeräte von Weltformat

So weit, so halbwahr: Denn natürlich wird hier niemand Olympiasieger, weil er vor Ort noch mal kräftig Eisen stemmen konnte. Dahinter stecken jahrzehntelanges Training, professionelle Betreuer und Sportgeräte von Weltformat: Bobs und Rodelschlitten ultraleicht gebaut und im Windkanal getestet. Dort suchen übrigens auch die Skispringer ihre beste Fluglage. Perfekt dem Körper angepasste Gewehrschäfte für die Biathleten und für jeden Schnee das richtige Skiwachs… technisches Doping kann man das nennen.

Und alle Nationen in der Weltspitze machen mit. Viel Geld wird da rausgeworfen für die schönste Nebensache der Welt, allerdings Peanuts im Vergleich zu den Ablösesummen im Fußball. Und auch wenn die Deutschen nicht nur im Medaillenspiegel, sondern auch bei der Anzahl der Dopingkontrollen ganz vorne mit dabei sind – was sie übrigens stetig und gerne betonen – liegt über Olympia immer der Schatten des Dopings, ob unerlaubt oder medizinisch notwendig: Norwegen, das mit Deutschland um Platz 1 in der Nationenwertung ringt, hat 6.000 Dosen Asthmamittel für 121 Sportler im Gepäck, Deutschland nach eigener Auskunft keine einzige. Norwegen mit Atemnot und Deutschland kerngesund? – Man weiß es nicht.

Örtliche Bedingungen stimmen

Und letztlich: Wir sind hier bei Olympischen Winterspielen, das begrenzt den Kreis der Teilnehmer schon mal rein klimatisch auf 92 Länder. Bei Sommerspielen sind es mehr als doppelt so viele. Deutschland gewinnt Gold vor allem in Disziplinen, in denen es traditionell Marktführer ist, weil die örtlichen Bedingungen stimmen: Biathlon, Skispringen, Bob und Rodeln. Deutschland leistet sich drei Bob- und Rodelbahnen, fünf große Skisprungschanzen und zwei Biathlon-Arenen. Da ist die Muckibude im Deutschen Haus, hoch über Pyeongchang nur das Tüpfelchen auf dem i.

Technisches Doping

WDR 5 Politikum - Kommentar | 22.02.2018 | 02:43 Min.

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 22.02.2018, 14:16