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Westafrika – das neue Afghanistan?

Die Bundeskanzlerin wird von Roch Marc Kaboré, Präsidente von Burkina Faso begrüßt.

Westafrika – das neue Afghanistan?

Von Marc Engelhardt

Mit ihrem Westafrika-Besuch will Kanzlerin Merkel zeigen, wie konsequent sie den Kontinent im Blick hat. Doch die jüngste Anschlagsserie in Burkina Faso zeigt, dass auch Millionenzusagen die Sicherheit nicht verbessern,  kommentiert Marc Engelhardt.

Reichen Leuten wirft man vor, alles mit Geld kaufen zu wollen, was ihr Herz begehrt. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Erde, und seine Regierung begehrt vor allem eines: Dass Migranten in Afrika bleiben. Das erkauft sich die Regierung von Angela Merkel mit viel Geld.

Gerade erst hat Merkel in Burkina Faso Millionen versprochen, für Entwicklung, den Anti-Terror-Kampf und die Ausbildung von Polizei und Grenzschutz. Verteidigungsministerin von der Leyen verspricht millionenschwere Militärberatung.

Insgesamt hat die Bundesregierung seit der sogenannten Flüchtlingskrise hunderte Millionen Euro in den drei Ländern investiert, die Merkel derzeit besucht. Tatsächlich sind die Flüchtlingszahlen deutlich zurückgegangen. Hat die Bundesregierung also erfolgreich investiert? Wohl kaum.

Die Gewalt in Westafrika nimmt zu

Denn in den Sahelstaaten Mali, Niger und Burkina Faso blüht kaum etwas außer Gewalt. Neben Al-Kaida rekrutiert jetzt auch der sogenannte Islamische Staat arbeitslose Jugendliche, die töten und vertreiben. Alleine in Burkina Faso, bis 2018 noch terrorfrei, haben Islamisten dutzende Attentate verübt.

In Mali sind wegen der Gewalt knapp 900 Schulen geschlossen. 134 Menschen starben im März im Zentrum des Landes, weil Sesshafte und Hirten sich bekämpfen. Und in Niger sind 170.000 auf der Flucht vor wachsender Gewalt - obwohl mehr Geld für die Sicherheit fließt.

Die regionale Anti-Terroreinheit G5-Sahel, der Merkel gestern 60 Millionen Euro mehr versprochen hat, ist auch zwei Jahre nach der Gründung noch nicht einsatzbereit. Das liegt auch an Europa. Gerade erst sind Geländewagen angekommen, die für letztes Jahr versprochen waren. Hubschrauber fehlen immer noch.

Mehr Geld wird die Probleme nicht lösen

Islamisten haben das Hauptquartier der Truppe in Mali zerstört, und die fünf beteiligten Staaten sind sich uneins über praktisch alles, inklusive einer Strategie. Mehr Geld allein wird solche Probleme nicht lösen.

Überraschen sollte das in Berlin niemanden. Denn die Bundeswehr, die in Mali mit bis zu 1100 Soldaten ihren größten Auslandseinsatz hat, dürfte am besten wissen, wie hilflos die lokalen Armeen sind. Im Bundestag ist schon von einem "neuen Afghanistan" die Rede.

Geld für Aufrüstung alleine wird die Krise im Sahel also nicht lösen. Was es braucht, sind Perspektiven vor allem für die junge Bevölkerung, mehr Mitspracherechte und auch die Chance für manche, ins Ausland zu gehen.

Wenn Deutschland weiterhin nur darauf setzt, Geld an Regierungen zu überweisen, dann werden bald nicht weniger, sondern mehr Migranten nach Europa drängen. Dann als Kriegsflüchtlinge.

Westafrika – das neue Afghanistan?

WDR 5 Politikum - Kommentar 02.05.2019 02:38 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 WDR 5

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 02.05.2019, 15:24