Luxus Luftfahrt

Airbus A 380 auf der Landebahn

Luxus Luftfahrt

Von Jürgen Döschner

Unterstützung für Regionalflughäfen und steuerfreies Flugbenzin - der Staat fördert den Luftverkehr massiv. Aber was weder wirtschaftlich noch ökologisch tragfähig ist, kann so nicht weitergehen, meint Jürgen Döschner.

Fliegen zum Taxi-Preis – mit diesem Spruch hat vor einigen Jahren ein Billigflieger geworben. Damals konnte er damit noch auffallen. Inzwischen haben wir uns an die Taxipreise beim Fliegen gewöhnt. Selbst wenn die 19,90-Flüge eher selten sind. Für 70 Euro nach Malle, oder für 350 nach New-York, das geht immer noch. Fliegen – früher ein Luxus – heute ein Massenphänomen?

Drei Prozent der Weltbevölkerung sind 2018 geflogen

Falsch. Das Gegenteil trifft zu. Die Hypermobilität per Flugzeug ist auch im Zeitalter der Billigflieger ein Vergnügen, das sich nur eine verschwindende Minderheit finanziell leisten kann – jedenfalls global betrachtet. Im vergangenen Jahr sind gerade einmal drei Prozent der Weltbevölkerung in ein Flugzeug gestiegen. Mehr als 80 Prozent aller Menschen auf der Welt sind in ihrem Leben überhaupt noch nicht geflogen.

Das Flugzeug ist nur gefühlt ein Massentransportmittel. Nur für uns, den im globalen Maßstab reichsten Teil der Welt. Und auch wir können uns diesen Luxus nur leisten, weil das Fliegen künstlich billig gemacht wird. Auf rund 12 Milliarden Euro jährlich beziffert das Umweltbundesamt allein Deutschlands Subventionierung von Flugtickets durch die Energiesteuerbefreiung für Kerosin und die Befreiung internationaler Flüge von der Mehrwertsteuer. Hinzu kommen zig Millionen Euro Staatshilfen für Flughäfen und Milliarden-Subventionen für die Flugzeughersteller – allein Airbus soll in den vergangenen Jahren mehr als 20 Milliarden Euro erhalten haben.

Fliegen ist die aufwändigste und teuerste Art der Fortbewegung

Wenn all diese staatlichen Hilfen wegfielen, wäre Fliegen das, was es schon immer war – zwar eine der schnellsten, aber auch eine der aufwändigsten und teuersten Arten der Fortbewegung.

 Luxus eben – aber nicht nur in finanzieller Hinsicht. Denn Fliegen ist auch extrem klimaschädlich. Die Luftfahrt trägt geschätzt etwa fünf Prozent zur globalen Erderwärmung bei. Neben den direkten CO2-Emissionen geht es auch um Stickoxide und Kondensstreifen. Außerdem wird rund die Hälfte des CO2 in sehr hohen Luftschichten ausgestoßen, wo ihre klimaschädliche Wirkung viel höher ist als am Boden.

Alle zahlen für das Recht auf Billigflug

Für das Recht der drei Prozent der Weltbevölkerung auf Billigflug nach Malle und New York bezahlen also nicht nur wir Steuerzahler mit Milliarden-Subventionen. Es zahlen alle, auch jene, die noch nie ein Flugzeug von innen gesehen haben, mit einer immer weiter voranschreitenden Klimaerhitzung. Fliegen ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können, selbst wenn wir ihn bezahlen können.

Aber ähnlich wie beim Tempolimit scheuen verantwortliche Politiker eine Debatte darüber – weil Konzerninteressen mehr wiegen als Klimaschutz und weil Verantwortung auch Verzicht bedeuten könnte.

Luxus Luftfahrt WDR 5 Politikum - Kommentar 07.02.2019 02:37 Min. WDR 5 Von Jürgen Döschner

Unterstützung für Regionalflughäfen und steuerfreies Flugbenzin - der Staat fördert den Luftverkehr massiv. Aber was weder wirtschaftlich noch ökologisch tragfähig ist, darf nicht einfach weiterlaufen, meint Jürgen Döschner.

Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 07.02.2019, 14:50