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Keine Partei ist beim Klima konsequent

Ein Aktivist der Klimaschutzbewegung Fridays for Future trägt bei einer Demonstration auf dem Domplatz für eine bessere Klimapolitik ein Plakat mit dem Motto "Kein Grad weiter".

Keine Partei ist beim Klima konsequent

Die Grünen stehen in der Kritik, dem Menschen klimapolitisch zu viel zuzumuten. Dabei sind die Forderungen der Grünen noch zu halbherzig, meint Tanja Busse: Klimaschutz auf der Höhe der Wissenschaft gebe es bei keiner Partei.

Hans-Joachim Schellnhuber, einer der führenden deutschen Klimaforscher, hat es neulich auf einer Tagung noch einmal versucht: Wir befinden auf dem 3 bis 4 Grad Pfad bis Ende des Jahrhunderts. Von wegen 1,5 oder 2. Nein, es werden wohl 4 Grad globaler Temperaturanstieg - wenn es so weitergeht, allen politischen Absichtsbekundungen zum Trotz.

Nur die Klimalisten machen Druck

1992 haben 1700 Wissenschaftler gewarnt: Wir sind auf Kollisionskurs mit der Natur. 2017 die zweite Warnung, diesmal von 15 000 Wissenschaftlern: Wir befinden uns nicht nur in der Klimakrise, sondern auch im Zeitalter eines gefährlichen Massenaussterbens von Pflanzen und Tieren.

Auch bei  Uneinigkeit im Detail gibt es an diesem Befund keine wissenschaftlichen Zweifel. Leider.

Keine der großen Parteien, die im Bundestagswahlkampf antreten, reagiert in ihrem Wahlprogramm angemessen auf diesen Stand der Wissenschaft. Keine, auch nicht die Grünen.

Die brauchten erst den Druck der Klimalisten, um das 1,5-Grad-Ziel überhaupt ausdrücklich in ihr Wahlprogramm aufzunehmen. Die Grünen fordern einen CO2-Preis von 60 Euro ab 2023 - und werden dafür von Bild und Welt gebasht - obwohl dieser Preis für Brenn- und Treibstoffe längst von der Großen Koalition beschlossen wurde. Als Reaktion auf das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Keine Partei hört auf die Wissenschaft

Es bräuchte, so hat es das Umweltbundesamt ausgerechnet, einen CO2-Preis von 180 bis 200 Euro, um Klimaschäden entgegenzuwirken 

Keine Partei hat das in ihrem Programm. Zu groß die Angst vor dem Shitstorm, der unwillkürlich folgen würde.

Aber wen sollen wir wählen, wenn wir wollen, dass unsere Kinder nicht den absoluten Zusammenbruch erleben? Wen sollen wir wählen, wenn wir das Zusammenbrechen der Ökosysteme stoppen wollen? Und wen sollen wir wählen, wenn wir glauben, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich ist?

Sicher werde ich wählen, im September. Aber ich habe immer noch kein Wort, das beschreibt, was ich empfinde, angesichts der Tatsache, dass keines der aktuellen Wahlprogramme auf dem Stand der Wissenschaft fußt.

Keine Partei bei Klima konsequent

WDR 5 Politikum - Kommentar 08.06.2021 02:15 Min. Verfügbar bis 08.06.2022 WDR 5 Von Tanja Busse


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Redaktion: Kerstin Steinbrecher