Gefährliche Hooligans

Menschen, die Hass verbreiten

Gefährliche Hooligans

Von Tanja Busse

Nicht nur in Chemnitz wurden Demonstrationen von Hooligan-Netzwerken organisiert. Doch die sächsischen Behörden rüsten sich noch immer nicht angemessen gegen die gewaltbereiten Rechten, kommentiert Tanja Busse.

Die rechtsradikale Hooligan-Szene hat sich in den letzten Jahren professionalisiert. Sagt der Ethnologe Robert Claus. Er hat schon 2017 in seinem Buch über Hooligans vor den engen Verbindungen zwischen gewalttätigen Fußballfans und der rechtsextremen Szene gewarnt. Das hätte ein Weckruf sein müssen - und zwar auf allen Ebenen: für Regierungen, für Verwaltungen, die Fußballvereine und -verbände und für die Schulen.

Rechtsextrem und gut vernetzt

Vor allem für Chemnitz sind die Fakten schon lange klar: Der Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen aus dem Jahr 2017 berichtet von Verbindungen zwischen Neonazis und den rechtsextremistischen Fußball-Fanclubs NS-Boys und Kaotic Chemnitz. Und eben diese Gruppe Kaotic Chemnitz hat am Wochenende zum Marsch durch die Stadt aufgerufen.

Auch bei den Krawallen in Leipzig-Connewitz, wo Anfang 2016 Rechtradikale plündernd und randalierend durch ein linkes Kneipenviertel gezogen sind, waren Kampfsportler und Hooligans beteiligt. Auch das war vorher über die sozialen Medien professionell organisiert worden. Und auch das hätte ein Weckruf sein müssen - und der Startschuß für hartes Durchgreifen durch die Polizei und umfangreiche Präventionsprogramme.

Präventive Arbeit fehlt

Robert Claus, der Hooligan-Experte, beschreibt nüchtern, was ein ungeheures Versäumnis ist: "Das Verhältnis zwischen Prävention und Intervention ist nicht ausgeglichen." Das heisst: Es gibt Stadionverbote für Kaotic Chemnitz. Aber - viel zu wenig präventive Arbeit. Die Schläger einfach auszusperren - das löst das Problem ja nicht.

Was hat der Fußball denn gegen rechte Hooligans unternommen? Das AWO Fanprojekt Chemnitz schweigt. Danke für ihren Anruf, aber wir äußern uns nicht. Dafür steht auf der Facebook-Seite des Fanprojekts ein Hinweis auf ähnliche Seiten - und ein Link zu Kaotic Chemnitz. Alles klar. Und der Verein selbst, der Chemnitzer FC? Schweigt auch. Der Verein ist insolvent, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden. Der Präsident des Vereins ist gleichzeitig Vorstandsmitglied der Fanszene Chemnitz - und auch auf dieser Homepage distanziert sich niemand von Gewalt und Rassismus.

Rechtsstaatlichkeit gegen den rechten Sumpf

In Chemnitz haben wir gesehen, wie schnell und professionell die rechte Szene ihre Leute organisiert und viele mitreisst und Polizeiketten überrennt. Es ist jetzt an der Zeit, dagegen vorzugehen. Rechtsstaatlichkeit und das Gewaltmonopol des Staates müssen durchgesetzt werden. Jugendliche müssen mit den richtigen Programmen gefördert und so aus dem rechten Sumpf gezogen werden.  

Gefährliche Hooligans: Niemand hörte den Weckruf

WDR 5 Politikum - Kommentar | 28.08.2018 | 02:47 Min.

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 28.08.2018, 16:30