Frauenpower senkt Geburtenrate

Frauen in Dhaka, Bangladesch

Frauenpower senkt Geburtenrate

Von Silke Diettrich

Selbständige Frauen sind die besten Kämpferinnen gegen die Bevölkerungsexplosion, kommentiert Silke Diettrich. In Bangladesch bekamen Frauen vor 50 Jahren noch sieben Kinder, nach einem Bildungsprogramm heute nur noch zwei.

Seit fast dreißig Jahren ist fast ununterbrochen eine Frau an der Spitze des Staates in Bangladesch. Und das hat den Stellenwert von Frauen in diesem muslimisch-konservativen Land auf jeden Fall verbessert. Nicht, weil ganz oben eine Frau sitzt, sondern weil die sich auch bewusst für die Rechte der Frauen im Land einsetzt, gemeinsam mit anderen Politikerinnen, die durch eine Quote immer im Parlament vertreten sind.

Premierministerin setzt auf Bildung

So steht Bangladesch weltweit an Nummer sieben, wenn es um die politische Teilhabe von Frauen geht. Die amtierende Premierministerin Sheikh Hasina Wajed setzt voll und ganz auf die Bildung. Sie hat dafür gesorgt, dass Eltern extra Stipendien und Finanzhilfen für ihre Töchter beantragen können. Heute gehen fast genauso viele Mädchen wie Jungen auf höhere Schulen. Das hat dann wiederum dazu geführt, dass es weniger Hochzeiten gibt, bei denen die Mädchen noch minderjährig sind.

Was das jetzt alles mit der Geburtenkontrolle zu tun hat? Viele Frauen in Bangladesch können selbst entscheiden, wie viele Kinder sie bekommen wollen. In den 60er Jahren haben die Frauen im Land im Schnitt noch sieben Kinder zur Welt gebracht, heute rund zwei. Schon Ende der 70er Jahre hat Bangladesch ein gewagtes Projekt gestartet: Gesundheitsmitarbeiter sind in der Region Matlab von Tür zu Tür gegangen und haben dort intensiv mit Ehefrauen über Verhütungsmittel gesprochen, und das, wo Sex doch ein absolutes Tabuthema war und oft auch bis heute noch ist.

Weniger Kinder, mehr Aufklärung, mehr Selbstständigkeit!

Das Projekt hatte einen durchschlagenden Erfolg: 20 Jahre später war die Geburtenrate um 15 Prozent gesunken und das Einkommen der Frauen um ein Drittel gestiegen. Weniger Kinder, mehr Aufklärung, mehr Selbstständigkeit! Auf den Straßen in der Hauptstadt Dhaka sind heute Frauen omnipräsent.

Hunderttausende strömen jeden Tag in die Textilfabriken, denn an den Nähmaschinen arbeiten fast ausschließlich Frauen. Und so sind sie ein großer Bestandteil des wichtigsten Industriezweigs von Bangladesch geworden. Zugegeben, es ist ein Knochenjob und oft nicht gerecht bezahlt, aber die Frauen haben sich ganz augenscheinlich einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft erarbeitet. Einige Näherinnen bringen mehr Geld nach Hause als ihre Ehemänner und stecken das Geld dann wiederum in die Ausbildung ihrer beiden Kinder. Die Selbständigkeit von Frauen, das ist aus meiner Sicht die beste Empfängnisverhütung, die es gibt.

Frauenpower senkt Geburtenrate

WDR 5 Politikum - Kommentar 14.11.2019 02:30 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR 5 Von Silke Diettrich

Download

Redaktion: Isabel Reth

Stand: 14.11.2019, 15:13