Elektro-SUV keine Alternative

Ein Ladestecker eines Elektroautos steckt im Fahrzeuganschluss und der Akku wird geladen, signalisiert durch blaues Licht

Elektro-SUV keine Alternative

Von Martin Gent

Die Autokonzerne haben bei der Elektromobilität zur Aufholjagd geblasen. Ein 480 PS-SUV bringt allerdings nicht die bitter nötige Mobilitätswende, kommentiert Martin Gent.

Wollte man ein umweltfreundliches Auto bauen, dann bietet die Elektromobilität allerbeste Voraussetzungen. Verbrenner-Autos haben Zwänge durch Motor, Getriebe und Antriebsstrang. E-Autos nicht.

Mini-Motor, kein Getriebe, flexible Batterie. Damit könnte man Autos bauen, die Baustein einer Mobilitätswende sind: klein und kess, sparsam und sicher. Und welche E-Autos bringen die deutschen Autogrößen jetzt heraus? Statt den PS-Wahnsinn zu stoppen wird er mit der Elektromobilität überdreht.

Premiumkarossen im Elektro-Gewand

Präsentiert werden SUV im XL-Format mit PS auf dem Niveau eines Lasters: Audi kommt mit 480 PS, Mercedes kontert mit 408. Das Monster-Auto wiegt 2,4 Tonnen, allein der Akku bringt 650 Kilogramm auf die Waage und ist damit fast so schwer wie einst ein ganzes Familienauto, der Golf I von VW.

Mit jedem Kilo steigen Rollwiderstand und Energieverbrauch, dem Fahrtwind stellt sich ein Schrank entgegen. Mit Selbstverständlichkeit und grimmigem Blick nehmen sie den öffentlichen Raum in Besitz. Klar, Industrie und Fahrer werden auf den umweltfreundlichen E-Antrieb verweisen, die Motorpresse schreibt schon von „Sauber-Stromern“. Die Autobauer werden behaupten, dass die innovative Technik nur vom Premium-Segment den Weg zur automobilen Basis findet.

Wenn das Auto zu dick für die Parklücke ist

Alles Unsinn, wenn von Anfang an die Richtung nicht stimmt! Monsterautos können nicht umweltfreundlich und stadtverträglich sein, egal welcher Antrieb unter der Haube steckt. Sie prägen eine Mode, die jetzt schon aberwitzige Auswüchse hat. Weil Autos immer größer werden, sind Parklücken plötzlich zu eng und Baustellen-Spuren zu schmal.

Die dicken Dinger werden gekauft werden, auch wenn sie 80.000 Euro und mehr kosten. Denn die Konzerne haben ein gutes Gespür, was beim Kunden ankommt. Und da scheint – wie in den Chefetagen – jedes Maß abhanden gekommen zu sein.

Größenwahnsinn verhindert echte Elektrowende

Die automobile Verfettung setzt sich von oben nach unten durch. Schon ist fast jedes dritte neue Auto ein SUV oder Geländewagen. Zugleich werden sparsame Mini-Autos als „rollende Verzichtserklärung“ gemobbt. Was deutlich macht, dass es unter dem Deckmäntelchen Mobilität wohl um etwas ganz anderes geht: Um Luxus, Abkapseln und Überlegenheitsgefühle. Und um das Missverständnis, dass die Straße ein Auto-Spielplatz ist.

Automobile Verfettung

WDR 5 Politikum - Kommentar | 27.09.2018 | 02:40 Min.

Download

Redaktion: Isabel Reth

Stand: 27.09.2018, 15:03