Digitalisierung schlägt Klima?

Digital-Gipfel 2019 in Dortmund

Digitalisierung schlägt Klima?

Von Tanja Busse

Politiker machen sich derzeit viele Gedanken über Klimaschutz. Aber den scheinen sie sofort zu vergessen, wenn von Digitalisierung die Rede ist. Dabei wäre es höchste Zeit, beides zusammen zu denken, meint Tanja Busse.

Es ist, als gäbe es zwei Welten. In der einen gehen Schülerinnen und Schüler freitags auf die Straße, um für Klimaschutz und gegen die drohende globale Katastrophe zu demonstrieren. In der anderen Welt - wird die Zukunft gefeiert. Da „schreitet die Digitalisierung rasant voran“ und die Digitalisierungseuphoriker schreiten mit. Da wird von „offenen Innovationsökosystemen“ geschwärmt, die unser Leben einfacher machen werden.

Nur 72 Whatsapp-Nachrichten bis zum Treffpunkt!

Das sind Zitate aus dem Trailer vom Digitalgipfel 2019 in Dortmund - und wer würde widersprechen! Wie einfach ist unser Leben geworden! Sogar Verabredungen klappen besser, nur 72 Whatsapp-Nachrichten bis zum Treffpunkt!

Aber Spott beiseite - die Entkopplung dieser beiden Welten - der materiellen, natürlichen und der IT-Welt - ist eine ernste Sache. Zur Zeit ist es die Wirtschaft und vor allem sind es Risikokapital-Investoren, die die schöne neue digitale Welt gestalten - ohne dabei an ökologische Vorgaben gebunden zu sein. Der Digitalgipfel soll die Position der deutschen Wirtschaft im globalen Digitalisierungs-Wettbewerb stärken, das ist ebenso sinnvoll wie die europäische Cloud-Lösung aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Doch wie damit auch die anstehenden Umweltprobleme nur ansatzweise gelöst werden, ist völlig unklar.

Satellitendaten und Sensoren nutzen

Zum Beispiel die Bundeslandwirtschaftsministerin: Julia Klöckner wird nicht müde zu betonen, dass die Digitalisierung die Landwirtschaft nachhaltiger macht. Ja, aber nicht ganz automatisch. Fahrerlose Traktoren und Sensoren in menschenleeren Massentierhaltungsanlagen bringen noch keine Nachhaltigkeit. Sinnvoller wäre es, Satellitendaten und Sensoren zu nutzen, um Umweltbelastungen zu dokumentieren.

Ein Beispiel: Wenn jedes Güllefass wie in den Niederlanden mit einem GPS-Sender ausgestattet würde, könnten Wasserverschmutzer sofort identifiziert werden. Ähnlich könnte man es mit den Maschinen halten, die chemischen Pflanzenschutz ausbringen, um die Wirkungen bestimmter Wirkstoffe auf Flora und Fauna untersuchen zu können.

Nachhaltigkeitsprüfung für digitale Innovationen

Mein Vorschlag für den Digitalgipfel: Weniger Euphorie und mehr Aufmerksamkeit für die materiellen Grundlagen des Ökosystems Erde, das wäre 

eine wirkliche Innovation. Mein Vorschlag für das Wirtschaftsministerium: Eine Nachhaltigkeitsprüfung für digitale Innovationen - damit die Digitalisierung nicht mehr Probleme schafft, als sie zu lösen verspricht.

Digital die Welt retten

WDR 5 Politikum - Kommentar 29.10.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 28.10.2020 WDR 5 Von Tanja Busse

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 29.10.2019, 16:17