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CDU muss nichts bieten

Der Kanzlerkandidat der CDu, Armin Laschet, hält nach seiner nominierung einen Blumenstrauß in die Höhe.

CDU muss nichts bieten

Von Albrecht von Lucke

Die Union hat noch kein Wahlprogramm. Aber starke Inhalte muss sie auch gar nicht liefern, meint Albrecht von Lucke. Es reicht, irgendwie für Kontinuität zu stehen. Die Stimmung im Land verlangt gerade nicht nach großen Konzepten.

Es ist ein erstaunlicher Vorgang: Eben noch präsentierte sich die Union als wahre Chaostruppe und rangierte in etlichen Umfragen sogar hinter den furios gestarteten Grünen. Jetzt dagegen liegt sie wieder eindeutig in Front und ein Sieg der Konkurrenz scheint in weiter Ferne. 

Dabei verfügt die Union bis heute noch nicht einmal über ein Wahlprogramm – und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet ist auch nicht über Nacht zum Hoffnungsträger der Nation geworden.

Es mangelt an Mut zur Veränderung

Wovon die Union tatsächlich profitiert, ist etwas anderes – nämlich die herrschende Stimmung im Lande. Die große Illusion der Grünen besteht in der Annahme, in der Mehrheitsgesellschaft gebe es einen Wunsch nach „Erneuerung“ – so die grüne Kernforderung. Doch nach über einem Jahr Corona-Krise sehnt sich die Mehrheit nach dem Gegenteil – nämlich nach der Rückkehr zur ressourcenverschlingenden Vor-Corona-Zeit.

Von echtem Veränderungswillen kann keine Rede sein, die herrschende Stimmung lautet vielmehr „Keine Experimente“. In diesem Wunsch nach Besitzstandswahrung oder gar -mehrung steckt eine gewaltige Verdrängung. In der Theorie bejahen viele eine konsequente Klimapolitik. Kommt es dagegen zum Schwur und müssen die Leute erkennen, dass ihnen ökologische Politik wirklich etwas abverlangt, etwa 16 Cent pro Liter Benzin, ist die Unterstützung ganz schnell am Ende.

Vertrauen zählt mehr als ein Wahlprogramm

Jede Aufforderung zur Veränderung muss daher zugleich mit einer sozialen Stabilitätsgarantie einhergehen. Das gilt besonders für eine führungsunerfahrene Partei wie die Grünen, der die Wählerinnen und Wähler ohnehin erst einmal einen großen Vertrauensvorschuss einräumen müssen.

Daher spricht vieles dafür, dass die Person bei der Bundestagswahl die Nase vorn haben wird, die den Vertrauens- und Stabilitätsbonus von Angela Merkel auf die eigenen Mühlen lenken kann. Und das dürfte am Ende nicht Scholz und schon gar nicht Baerbock sein, sondern eben Armin Laschet als das männliche Merkel-Pendant – und die Inkarnation der Keine-Experimente-Union. Ein prononciertes Wahlprogramm kann da eigentlich nur schaden.

CDU muss nichts bieten

WDR 5 Politikum - Kommentar 10.06.2021 02:06 Min. Verfügbar bis 10.06.2022 WDR 5 Von Albrecht von Lucke


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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 10.06.2021, 16:16