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Ohne Impfung keine Freiheit

Coronavirus-Impfung

Ohne Impfung keine Freiheit

Von Peter Zudeick

In den USA führen Google und Facebook die Impfpflicht ein. Sollen sie gerne, meint Peter Zudeick in seinem Kommentar, auch hier in Deutschland. Es dient der Betriebssicherheit. Aber eine allgemeine Impfplicht per Gesetz dürfe es nicht geben.

Es wird keine staatlich verordnete Impfpflicht geben. Zumindest sehe ich keine Möglichkeit, wie die Bundeskanzlerin, der Gesundheitsminister und andere Politiker von ihrem eindeutigen Versprechen wieder abrücken könnten. Aber es wird eine Impfpflicht durch die Hintertür geben. Das musste allen spätestens dann klar sein, als absehbar war, dass die notwendige Impfquote nicht so ohne weiteres und vor allem nicht so schnell zu erreichen ist.

Ein einfaches ökonomisches Prinzip

Und da liegt es auf der Hand, dass große Betriebe wie Google und Facebook sagen: Wir können es uns nicht leisten, dass potentielle Infektionsträger unsere Belegschaft und damit unseren Geschäftserfolg gefährden. Das ist ein ganz einfaches ökonomisches Prinzip. Und sie haben jedes Recht dazu, so zu verfahren, so wie jeder Wirt sagen kann: Bei mir kommen nur Geimpfte rein, ich will auf Nummer sicher gehen.

Aber wie ist das zum Beispiel im Gesundheitswesen? Kann ein Krankenhaus fordern, dass alle Mitarbeiter geimpft sind? Geht gar nicht, sagt die Gewerkschaft Verdi. Das wäre ein „massiver Eingriff in die Grundrechte“. Denken die Gewerkschafter vielleicht auch mal an die acht Millionen Kinder, die zehn Jahre oder jünger sind, die nicht – noch nicht – geimpft werden können? Ich möchte mein Kind nicht von einem Arzt behandeln lassen, der von seinem individuellen Recht auf Impfverzicht Gebrauch macht.

Jede individuelle Entscheidung hat gesellschaftliche Folgen

Das ist das Kernproblem: Impfen oder Nichtimpfen ist keine Privatsache, jede individuelle Entscheidung hat gesellschaftliche Folgen. Der allersimpelste Grundsatz, den man sogar auf der kleinsten Klippschule mitbekommt, heißt: Deine Freiheit hat ihre Grenze an der Freiheit der anderen. Und wer Infektionen anderer billigend in Kauf nimmt, gefährdet deren Freiheit.

Also was tun? Gut informieren und niederschwellige Angebote machen, sagt Verdi. Als wenn wir nicht genug Information zu Corona und zum Impfen hätten. Es geht um die Dringlichkeit, mit der fürs Impfen geworben wird. Aus lauter Angst vor dem „Impfpflicht“-Vorwurf betonen Merkel, Spahn und andere immer wieder, dass allen ein „Impfangebot“ gemacht wird. Das ist viel zu beliebig. Angebote kann man annehmen oder ablehnen. Es gibt ein moralisches Gebot, eine moralische Pflicht, sich impfen zu lassen – das müsste vermittelt werden. Um wenigstens die zu überzeugen, die meinen, wenn die anderen sich impfen lassen, könnten sie verzichten. Die beinharten Impfverweigerer wird man ohnehin nicht überzeugen können.

Ohne Impfung keine Freiheit

WDR 5 Politikum - Kommentar 29.07.2021 02:28 Min. Verfügbar bis 29.07.2022 WDR 5 Von Peter Zudeick


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Redaktion: Dirk Müller

Stand: 29.07.2021, 16:10