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Reden über Hass im Netz

Gestellte Aufnahme zum Thema mobbing in sozialen Netzwerken. Neben dem Gefaellt mir Button von facebook sind die Worte Du Opfer zu sehen.

Reden über Hass im Netz

Von Christoph Sterz

Seit dem Mord an Walter Lübcke legen Journalisten den Finger in die große Netzwunde: Sie verweisen auf Drohungen und Hass, die frei zirkulieren. Das Problem darf nicht wieder zu den Akten gelegt werden, fordert Christoph Sterz.

Hass ist Hass. Egal ob auf der Straße oder im Internet. Deswegen ist es gut, dass im Moment viele Journalisten klar und deutlich sagen, dass auch im Netz Hetze unerträglich und gefährlich ist.

Auf Hetze richtig reagieren

„Um die Dimensionen des Hasses zu verstehen, muss man – so sehr es schmerzt – hinschauen. ‚Der Kasper aus Kassel macht es nicht mehr lange‘, hetzt ein Nutzer, als Lübcke zur Zielscheibe der Rechten wird. ‚Die Drecksau hat den Gnadenschuss bekommen!‘, schreibt ein Nutzer nach dem Mord. Hass stiftet Menschen zu Verbrechen an. Stellen wir uns Hetze entgegen – denn Hass ist keine Meinung“, kommentiert Christian Unger in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.  

Aber nicht nur pointierte Kommentare sind hilfreich: Sinnvoll sind auch Hinweise darauf, was jede und jeder Einzelne unternehmen kann. Unter der Überschrift „Wie man sich gegen Hass und Hetze wehrt“ ist bei Spiegel Online zum Beispiel zu lesen: Wer zum Ziel von Hasskommentaren im Internet wird, ist nicht schutzlos. Beleidigung, Nötigung und Volksverhetzung sind offline wie online Straftaten, gegen die man sich rechtlich wehren kann. Aber auch gegen strafrechtlich nicht relevante Äußerungen kann man vorgehen.“ Zum Beispiel wenn falsche Behauptungen die eigenen Rechte verletzen.

Provokateure zur Rede stellen

Wie wichtig es ist, digitalen Hass nicht zu verharmlosen oder sogar zu ignorieren, zeigen Interviews mit Menschen, die das Problem selbst zu spüren bekommen haben. Auf alle Fälle habe ich eins gelernt: Man muss offen drüber reden. Weil: Was die Leute gerne wollen ist, den Einzelnen, auch jemanden, der irgendwo in einer Stadt sozial aktiv ist, wenn ihnen das nicht passt, diesen Einzelnen richtig fertig zu machen“, meint die Grünen-Politikerin Renate Künast im Deutschlandfunk. Künast ist selbst Opfer geworden – und deshalb bei diesem Thema eine wichtige Stimme.

Genauso wichtig ist es aber, diejenigen zu befragen, die den Hass sogar befördern. Die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach zum Beispiel, die noch vor wenigen Monaten bei Facebook einen Artikel über Walter Lübcke postete und damit viele hasserfüllte Kommentare ihrer Follower provozierte.War es nötig, diese Debatte erneut zu befeuern?“, wird sie im ZDF gefragt. „Mir schien es damals nötig. Da gab es sicherlich einen Aufhänger, an den ich mich heute, nach einem Vierteljahr, nicht mehr erinnern kann. Aber sonst hätte ich das nicht gemacht“, sagt Steinbach.

Rechtsorgane müssen illegale Botschaften konsequent ahnden

 Ein Interview, das der Sender zum Glück in den richtigen Kontext einordnet: Steinbach steht nicht allein mit ihren hassfördernden Aussagen. Es geht um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Hass im Netz muss stärker verfolgt werden, und Rechtsextremismus wurde in Deutschland zu lange verharmlost.

 All das sollten Medien auch in den nächsten Wochen und Monaten weiter betonen, so lange, bis sich wirklich etwas ändert. Bis zum Beispiel Staatsanwaltschaften und Polizei in die Lage versetzt werden, illegale Botschaften konsequent zu ahnden. Der Fall Lübcke darf nicht einfach irgendwann zu den Akten gelegt werden.

Reden über Hass im Netz

WDR 5 Politikum - Medienkolumne 26.06.2019 02:51 Min. Verfügbar bis 25.06.2020 WDR 5 Von Christoph Sterz

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 26.06.2019, 14:46