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Klimaschutz: Ausgleich für Zumutungen

Die Sonne scheint durch Windräder hindurch.

Klimaschutz: Ausgleich für Zumutungen

Es gibt Stimmen, die sagen: Man kann Zustimmung zu Windrädern, Kohleausstieg und Co. nicht kaufen. Kaufen nicht, sagt Ursula Weidenfeld. Aber die Vernunft gebietet, über Kompensationen nachzudenken, um den unterschiedlichen Grad der Betroffenheit auszugleichen.

Wieviele Milliarden müssen es denn sein? Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat heute Ländern, die ihre Energie im Wesentlichen aus Kohle erzeugen, Milliarden an Hilfsgeldern für einen klimafreundlichen Umbau in Aussicht gestellt. In Deutschland wollen Grüne und SPD Anwohnern jetzt ein Windbürgergeld bezahlen, wenn ihnen Windmühlen zu nah auf den Leib rücken. Und wenn Umweltministerin Svenja Schulze an diesem Dienstag mit den Landwirten über Klimapolitik redet, geht es – natürlich – auch um Geld. Das ist nur fair.

Faire Lastenteilung für die wichtigste Zukunftsaufgabe

Kritiker wie Joachim Pfeiffer, der energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagen, man dürfe sich die Zustimmung zum Klimaschutz nicht auf diese Weise  abpressen lassen. Das Gegenteil ist richtig: Wer für den Klimaschutz – der nötig ist und den alle wollen – besonderen Zumutungen ausgesetzt ist, muss dafür einen Ausgleich bekommen. Selbst wenn es um ein Land wie Polen geht, das politisch in Europa eigenwillige Wege geht. Um es vorsichtig auszudrücken.

In Wahrheit wird im Augenblick an vielen Orten um eine faire Lastenteilung für die wichtigste Aufgabe der Zukunft gerungen. Wer die Zumutungen grüner Energieproduktion aushält, wer für mehr Artenvielfalt auf Gewinn verzichtet, erwartet zu Recht eine Kompensation von denen, die das nicht tun, oder die es nicht tun müssen.

Unterschiedliche Betroffenheit anerkennen

Für Bürger in Großstädten ist es kein Problem, den Ausbau erneuerbarer Energien zu verlangen, in den öffentlichen Nahverkehr einzusteigen, oder einen E-Roller zu nutzen. Sie müssen die Windräder ja nicht sehen, die U-Bahnen fahren im Fünf-Minuten-Takt und die Mietroller stehen an jeder Straßenecke. Auch fällt es Ländern ohne Kohlegruben leicht, das Ende der Kohleverstromung zu fordern. Sie brauchen den Strukturwandel, die Arbeitslosigkeit und den Verdruss in der Region ja nicht auszuhalten.

Wer will, dass die Klimawende gelingt, muss bereit sein, Kosten und Nutzen abzuwägen und besondere Härten auszugleichen. Das gilt für Windanlagen in der Eifel genauso wie für die Kohleförderung in Kattowitz, für Blühstreifen in Oberbayern ebenso wie für den Abschied vom Verbrennungsmotor in Stuttgart.

Alle müssen den Erfolg wollen und kompromissbereit sein

Klar: Eine faire Kompensation zu finden, ist aufwendig und anstrengend. In diesen Verhandlungen muss man sich auf Augenhöhe begegnen, alle müssen den Erfolg wollen und kompromissbereit sein. Diese Gespräche aber von vornherein als Bestechung oder Erpressung zu diffamieren, ist unklug. Jedenfalls dann, wenn man sich einen Erfolg der Klimawende wünscht.

Klimaschutz: Ausgleich für Zumutungen

WDR 5 Politikum - Kommentar 14.01.2020 02:43 Min. Verfügbar bis 13.01.2021 WDR 5 Von Ursula Weidenfeld

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Redaktion: Kerstin Steinbrecher

Stand: 14.01.2020, 10:30