Gedenktage für die westliche Idee

Lady Melania Trump, US Präsident Donald Trump, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron schauen dem Flugteam von "Patrouille de France" zu nach einer Französisch-Amerikanischen Zeremonie.

Gedenktage für die westliche Idee

Von Christoph von Marschall

Mit der Landung der Alliierten in der Normandie wurden die westlichen Ideen von Liberalität, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gegen eine Diktatur verteidigt. Bei allen Differenzen mit den USA: Wir sollten uns heute auf diese gemeinsamen Werte besinnen, meint Christoph von Marschall.

Ein wenig sperrig steht der D-Day da mitten im Jahr 2019. Die Landung in der Normandie war ein Wendepunkt auf dem Weg zur Befreiung Europas von Hitler. Aber das ist jetzt 75 Jahre her. Die damalige Kriegskoalition ehrt mit Kanzlerin Merkel die lebenden Veteranen. Und die Gefallenen. Viele Soldaten ahnten, dass sie den Tag nicht überleben würden. „Es ist hart, dem Tod ins Gesicht zu sehen“, schrieb ein 16-Jähriger an seine Familie. „Tausend Küsse. Lang lebe Frankreich.“   

Das rührt ans Herz. Und doch bleiben Fragen. Was kann uns der D-Day heute sagen? Muss man zwei Generationen später an den Krieg erinnern, der Europa spaltete, wenn der Fokus heute doch die gemeinsame Zukunft sein soll? Wirkt es nicht ein bisschen künstlich, die Kanzlerin dazu zu bitten? Schließlich leitete der D-Day die bedingungslose deutsche Niederlage ein. Und wenn so viel von gemeinsamen Werten die Rede ist, die die Alliierten damals verteidigten – wie passt Donald Trump in die Feierstunde?

Besinnung auf die gemeinsamen Werte

Doch man darf auch anders auf den D-Day schauen. Voll Dankbarkeit, auch wir Deutsche. Die opferreiche Landung leitete nicht nur für Franzosen, Niederländer und andere Europäer die Befreiung ein. Eine Befreiung war es auch für uns Deutsche. In was für einer Gesellschaft wären die nach 1945 Geborenen aufgewachsen, wenn Hitler nicht besiegt worden wäre?

Es ist gut, sich auf die gemeinsamen Werte zu besinnen. Denn bei allen  Meinungsverschiedenheiten hält der Glaube an die liberale Weltordnung, an Grundrechte, Demokratie und Rechtsstaat den Westen zusammen. Und trennt ihn von China oder Russland oder Venezuela. Gewiss, es gibt Streit mit Trump über Freihandel, über den Umgang mit dem Iran. Streit zwischen Deutschland und Frankreich über Rüstungsexporte. Streit in Europa über Migration, über das richtige Maß von nationaler Selbstbestimmung und europäischer Integration.

Erinnerung an den Zusammenhalt

Aber die Bürger in Europa und Amerika haben freie Wahlen, auch unter Trump. Sie können Gerichte anrufen und Recht bekommen. In China und Russland ist das nicht so sicher. Im Westen gibt es ein freies Internet, in China nicht.

Der D-Day erinnert daran, was uns im Westen zusammen hält – ja, zusammenhalten sollte. Und daran, dass Amerikaner und Briten bereit waren, für die Freiheit der Verbündeten ihr Leben zu riskieren. Sind wir das heute auch? Je fester Europäer und Amerikaner zu diesen Werten stehen, desto geringer das Risiko, dass je wieder ein D-Day nötig wird.

Was kann uns der D-Day sagen?

WDR 5 Politikum - Kommentar 06.06.2019 02:33 Min. Verfügbar bis 05.06.2020 WDR 5 Von Christoph von Marschall

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Redaktion: Kerstin Steinbrecher

Stand: 06.06.2019, 13:59