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Medien als Einlaufkinder

Ein Fußballer trägt mit Gummihandschuhen und Mundschutz seine Fußballschuhe.

Medien als Einlaufkinder

Von Christopher Ophoven

Im Moment deutet vieles darauf hin, dass die Fußball-Bundesliga im Mai wieder spielt. Verschiedene Politiker haben sich ja schon extrem wohlwollend geäußert, und auch in den Medien scheint die Sehnsucht groß zu sein. Fußballentzug darf aber nicht zum Verzicht auf Argumente gegen den Spielbetrieb führen. Meint Christopher Ophoven in der Politikum-Medienkolumne.

„Guten Tag meine Damen und Herren“, „Willkommen zur Sportschau“, „Sechs Bundesligaspiele sind an diesem Wochenende abgesagt worden. Die Gründe haben sie gerade noch in der Tagesschau gesehen“, „Als hätte es die Corona-Pandemie 1985 schon gegeben.“ Da hat Steffen Simon bei der Retro-Sportschau Recht. Ausgefallene Spieltage sind nichts neues, nur dauert die Pause gerade etwas länger.

Wann wird wieder gespielt?

Wie viele andere zeigt die Sportschau deshalb alte Spielzusammenfassungen, denn die Sehnsucht ist groß, auch bei Sportjournalisten. Denn trotz Corona-Pandemie scheint in Deutschland eine der zentralen Fragen zu sein: Wann wird wieder gespielt?

Es geht natürlich um die Fußball-Bundesliga, zuletzt auch bei Anne Will. Eine Antwort auf genau diese Frage kam von Grünen-Chefin Annalena Baerbock: „Was bedeutet das, wenn wir nur begrenzt Kontakte haben dürfen, für alle anderen Ressourcen, öffne ich den Profi-Fußball, der nun definitiv nicht wirtschaftlich leidet und sage 14-jährigen Jungs, die im Zweifel nicht hin wissen mit ihrer Power – ihr dürft nicht auf den Spielplatz, ihr dürft nicht auf den Bolzplatz, aber die können wieder spielen.“

RKI lehnt Wiederaufnahme des Spielbetriebes ab

Bei der Bild scheint die Antwort auf die gleiche Frage anders auszufallen, denn in einem Kommentar wird Baerbocks Haltung als „Rückfall in grüne Verbotspolitik“ bezeichnet. Dazu gibt es eine wenig dezente Erinnerung an die alte Wahlkampf-Idee des Veggie-Days. Baerbocks Verweis auf das Robert Koch-Institut scheint vollkommen egal. Das rät derzeit allein aus medizinischen Gründen von einer Wiederaufnahme des Spielbetriebes ab. Berichtet wurde darüber, den Fußball-Funktionären wurde in vielen Medien aber mehr Gehör verschafft.

Wann wieder gespielt wird, ist allerdings noch gar nicht klar. Für die Deutsche Presse Agentur (DPA) schien diese Frage allerdings schon vor Tagen beantwortet. Die DPA hatte eine Befragung in Auftrag gegeben, ob die restlichen Spiele der Fußball-Bundesliga frei im Fernsehen empfangbar sein sollten. Das hatte ein ehemaliger Bundesliga-Manager angeregt, Willi Lemke. Der sagte im Interview bei Radio Bremen: „Die Kneipen sind zu und deshalb gehen die in die Wohnzimmer ihrer Freunde, die diese Abos haben und das ist schlecht, weil dann kommt es zu ganz, ganz vielen Kontakten, die wir nicht wollen. Wenn man das dann machen muss, um zum Beispiel auch einige Vereine der Fußball-Bundesliga zu retten.“

Ein Grundrecht auf Fußball

Zufällig ist einer dieser Vereine der Club, bei dem er früher Manager war. Seine Haltung ist daher verständlich. Nicht so klar ist, warum der Kollege bei Radio Bremen, das nicht etwas mehr hinterfragte, aber er ist ja nicht der Einzige. In der Bild und im Kicker brachte ein noch aktiver Fußballfunktionär ARD und ZDF ins Spiel. Die könnten die Geisterspiele übertragen, aber natürlich müssten die Rechteinhaber dafür entschädigt werden. Auch beim Berliner Tagesspiegel wurde diese Idee gründlich durchdacht und für gut befunden. Der öffentlich-rechtliche Auftrag scheint also klar, und damit ebenso das Grundrecht auf Fußball.

Sicher, es gibt viele Fußballfans in Deutschland, vielleicht hat diese Haltung manchmal auch andere Gründe. Vor ein paar Jahren erklärte mir ein Sportreporter im Interview: „Wenn es dem 1. FC Köln schlecht geht, dann merkt das der Express in den Auflagenzahlen.“ Der Express, das ist die Boulevardzeitung hier in Köln und eine ähnliche Symbiose gibt es zwischen mehreren Vereinen und Medienhäusern.

„Fußball entfernt andere Dinge aus unserem Fokus“

Es gibt aber auch andere Meinungen, die sind nur meist nicht so laut. Und damit wären wir wieder bei Anne Will, wo SZ-Redakteurin Christina Berndt sagte: „Man sieht ja jetzt auch wieviel Zeit wir schon wieder damit verbringen über die Bundesliga zu reden und das entfernt einfach andere Dinge, die wichtiger sind, aus unserem Fokus. Wo ich so denke…“ Was soll man da denken? Frau Berndt arbeitet allerdings nicht im Sportressort, sondern „nur“ in der Wissenschaftsredaktion.

Medien als Einlaufkinder

WDR 5 Politikum - Medienkolumne 29.04.2020 03:40 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 WDR 5 Von Christopher Ophoven

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Redaktion: Willi Schlichting

Stand: 29.04.2020, 11:17