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Dämpfer für Diversität in Vorständen

Janina Kugel während einer Pressekonferenz vor Beginn der Siemens-Hauptversammlung (Archivbild vom 31.01.2018)

Dämpfer für Diversität in Vorständen

Von Ursula Weidenfeld

Janina Kugel, die sich für Diversität eingesetzt hat, verlässt den Siemens-Vorstand. Wieder eine Frau weniger in einer Sphäre, die ohnehin männlich und weiß ist. Ursula Weidenfeld macht sich Sorgen um das deutsche Topmanagement.

Um Janina Kugel muss man sich keine Sorgen machen. Irgendwo wird die bisherige Personalvorstandsfrau bei Siemens, Volkswirtin, Mutter, Kämpferin für Inklusion und Diversität, schon wieder auftauchen. Sie wird aus ihrem überraschenden Abgang "im gegenseitigen Einvernehmen" das "erdenklich Beste" machen, wie ihr das Unternehmen im schönsten Zeugnisdeutsch wünscht. Sorgen dagegen muss man sich um Siemens machen. Und um die jungen Frauen, für die Kugel ein Vorbild ist.

Gemischte Teams arbeiten besser als homogene Gruppen

Janina Kugel hat Siemens in den vergangenen vier Jahren zu einem der angesagtesten Arbeitgeber in Deutschland gemacht. Früher ging man zu dem Münchner Unternehmen, wenn man am liebsten ein Leben lang zu guten Bedingungen am selben Ort arbeiten wollte. Heute bewerben sich auch die weniger Angepassten. Frauen, Schwule und Lesben, Hochschulabsolventen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Kugel hat für mehr Diversität beim Münchner Technologiekonzern gekämpft. Weil sie der Überzeugung ist, dass gemischte Teams besser arbeiten als Gruppen, in denen alle gleich aussehen und dasselbe denken.

Wenn ihre Zeit bei Siemens jetzt plötzlich endet, geht davon die entgegengesetzte Botschaft aus: Steckt die Nase nicht zu weit raus, seid bloß nicht zu anders. Und am besten auch keine Frau. Klar ist: Wer als Vorstand schlecht arbeitet, muss gehen – egal, ob Mann oder Frau. Doch in Deutschland sitzt ohnehin nur auf jedem zehnten Vorstandsstuhl eine Frau. In Schweden und in den USA dagegen sind ein Viertel der Chefs Frauen, in Frankreich immerhin noch jede fünfte. Vorstandsfrauen in Deutschland bleiben im Schnitt nur drei Jahre auf ihrer Stelle, Männer in der Top-Etage dagegen acht. Weil die Frauen schlecht arbeiten, oder faul sind? Diese Annahme ist absurd.

Fast drei Viertel aller erwerbsfähigen Frauen arbeiten heute

An mangelnder Kompetenz oder fehlender Auswahl liegt es nicht. Fast drei Viertel aller erwerbsfähigen Frauen arbeiten heute. Mehr Mädchen als Jungen machen Abitur, die jungen Frauen verlassen die Hochschulen mit besseren Abschlüssen, Familie und Beruf lassen sich immer besser vereinbaren. Diese Frauen wollen nicht nur sehen, dass sie es bis ganz oben schaffen können. Sie müssen auch wissen, dass sie dieselben Chancen haben, oben zu bleiben.

Wenn Kugel den Konzern verlässt, und ihre Vorstandskollegin Lisa Davis vermutlich im kommenden Jahr auch geht, sieht Siemens genauso aus wie zur Jahrtausendwende: weiß, alt, männlich. Ein idealer Arbeitgeber für kluge und ehrgeizige Frauen? Man muss sich tatsächlich Sorgen machen.

Dämpfer für Diversität in Vorständen

WDR 5 Politikum - Kommentar 01.08.2019 02:37 Min. Verfügbar bis 31.07.2020 WDR 5 Von Ursula Weidenfeld

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 01.08.2019, 13:42