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Der Heilsbringer der CDU

Ministerpräsident Armin Laschet aus Aachen (58), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus dem münsterländischen Ahaus (39) und der ehemalige Vorsitzende der Bundestagsfraktion von CDU und CSU, Friedrich Merz (64) aus dem Sauerland.

Der Heilsbringer der CDU

Von Gregor Peter Schmitz

Wer wird CDU-Kanzlerkandidat? Eines ist sicher: Derjenige muss die CDU einen, die Ränder integrieren, charismatisch sein, Wahlerfolge einfahren. Inhaltliche Debatten über die Partei aber gibt es nicht. Ein Fehler, meint Gregor Peter Schmitz.

Kanzlerin Angela Merkel hat lange von einer geordneten Übergabe ihrer Macht geträumt. Das blieb ein Traum, wie der Abgang ihrer auserkorenen Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer nun allen zeigte. Drei Tage nach deren Rückzugs-Ankündigung steht aber auch fest, dass sogar AKK’s ganz eigene Illusion zerplatzt ist: sie hatte nämlich vorgeben wollen, erst im Laufe dieses Jahres geordnet ihre eigene Nachfolge zu regeln. Das erwies sich schon deswegen als eine Illusion, weil seit den ersten Minuten nach dem AKK-Rückzug ein ganzer CDU-Männerbund nun auf seinen endgültigen Durchbruch in der CDU hofft, angefeuert von einer zunehmend entfesselten Medienlandschaft – die zuletzt Treibjagd auf AKK machte und nun über deren Nachfolge hyperventiliert.   

Eine rein männliche Truppe

Unter sich ausmachen wollen die Spitzenposition NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Dauer-Comebackler Friedrich Merz, Bundesgesundheitsminister und CDU-Nachwuchshoffnung Jens Spahn – und, vielleicht nicht als Kandidat, aber schon irgendwie als Königsmacher: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Was bei näherem Hinsehen doch ein wenig auffällt an dieser Truppe: sie ist rein männlich. In Zeiten, da in so gut wie jedem deutschen Unternehmen jede Führungsfrage auch unter Berücksichtigung geschlechterspezifischer Anteile geführt wird, will die immer noch größte deutsche Volkspartei diesen Aspekt offenbar aussparen.

„Deutschland ist (wieder) reif für einen Mann als Kanzler“, so könnte das Motto lauten. Auch Mittbestimmung der Parteimitglieder wirkt in dem ganzen Prozess nur noch wie ein nettes Überbleibsel der Vergangenheit, mit der nun aber auch mal Schluss sein soll.

AKK versprach inhaltlichen Erneuerungsprozess

Dabei ließ sich die CDU vor etwas mehr als einem Jahr noch dafür feiern, einen inhaltlichen Wettstreit zwischen drei Bewerbern organisiert zu haben. Die siegreiche Kandidatin AKK versprach zudem einen inhaltlichen Erneuerungsprozess der Partei, etwa durch ein neues Parteiprogramm – mitsamt einer Antwort auf die Gretchenfrage, was konservativ und christdemokratisch eigentlich noch heißt in einer sich rapide verändernden Welt und Parteienlandschaft.

Nun soll aber – wie Friedrich Merz bereits angekündigt hat.– am besten wieder alles hinter verschlossenen Türen entschieden werden. Statt über Inhalte wird in diesem Prozess wieder einmal vor allem über Personen diskutiert, atemlos befeuert von uns Medien.

Gespräche, fast wie in einem Recruiting-Prozess

Schon nächste Woche soll es erste Gespräche mit Interessenten für den CDU-Spitzenposten geben, fast wie in einem Recruiting-Prozess. Es kann gut sein, dass man so die personelle Leerstelle an der Parteispitze schnell füllt. Aber wäre die inhaltliche Leerstelle nicht die viel größere Herausforderung, als die Hoffnung auf einen Heilsbringer?

 

Heilsbringer für die CDU

WDR 5 Politikum - Kommentar 13.02.2020 02:43 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 WDR 5 Von Gregor Peter Schmitz

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Redaktion: Consuelo Squillante

Stand: 13.02.2020, 11:11