Ministerin nicht vom Fach - na und?

Die designierte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek vor dem CDU-Logo am 26.02.2018 auf dem CDU-Parteitag

Ministerin nicht vom Fach - na und?

Von Andrea Lueg

Die vorgeschlagene Bildungsministerin Anja Karliczek hat keine bildungspolitische Expertise. Kein Grund, sie vorab zu kritisieren, kommentiert Andrea Lueg. Peter Altmeier ist auch kein Ökonom und Horst Seehofer nicht Jurist.

Sie sei unbekannt, unbeleckt, ein unbeschriebenes Blatt. Eine "Quereinsteigerin" so wird betont, mit Abschluss als Diplom-Kauffrau und dann auch noch von einer Fernuniversität. Ach ja, und natürlich Vorsitzende vom Volkshochschulverband Lengerich, wird dann noch süffisant hinterher geschoben. Kein Professorentitel, noch nicht einmal ein Doktor. Die Rede ist von Anja Karliczek, der nominierten Bildungs- und Forschungsministerin. Zu viel Dünkel für eine Frau, die vor einer neuen Aufgabe steht. "Wird das akademische Milieu sie akzeptieren?" fragen sich Journalistenkollegen bang.

Unangepasst - und das ist gut so!

Das sind typische Sorgen für unser Land, denn bei uns hängt der Erfolg oft vom Titel ab, ja häufig sogar vom Titel der Eltern. Dem akademischen Milieu könnte deshalb eine Ministerin ziemlich gut tun, die eben nicht angepasst ist an die Hochschulwelt. Die vielleicht mal ganz andere Fragen stellt, Probleme neu anpackt, die Gewichtung verschiebt. Bisher war die Forschung der wichtigere Teil im Ressort und dahin floss auch der Löwenanteil des Budgets, das immerhin 17.6 Milliarden Euro umfasst.

Karliczeks Vorgängerin Johanna Wanka passte perfekt in dieses Milieu. Als Mathematikerin, Professorin und Hochschulpräsidentin war sie ohne Zweifel anerkannt in der akademischen Welt. Nur war sie eine der unbekanntesten Ministerinnen im Kabinett. Das Thema Bildung konnte sie in der Öffentlichkeit nicht in den Fokus rücken. Und sie hat beim Streit mit den Ländern beim Dauerthema Kooperationsverbot auch nicht gepunktet.

Titel zählen nicht

Ein gutes Beispiel dafür, dass in den Niederungen der politischen Auseinandersetzungen keine Titel zählen. Hier zählt alles das, was eine erfolgreiche Ministerin ganz unabhängig vom Ressort ausmacht: sie muss Strippen ziehen können, Mehrheiten organisieren, sich schnell in neue Materien einarbeiten, wenig schlafen, dafür gut kommunizieren. Obendrein muss sie durchsetzungsstark und mutig sein. Nichts im Lebenslauf von Anja Karliczeks spricht dagegen. Deshalb gibt es noch keinen Grund, an ihrer Qualifikation zu zweifeln.

Ministerin nicht vom Fach - na und?

WDR 5 Politikum - Kommentar | 27.02.2018 | 02:18 Min.

Download

Redaktion: Isabel Reth

Stand: 27.02.2018, 14:26