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Rassismus bei Schalke?

Jordan Torunarigha, Dedryck Boyata und Niklas Stark beim DFB Pokalspiel gegen Schalke 04

Rassismus bei Schalke?

Es gibt klare Regeln, wie Schiedsrichter bei Affengeräuschen adressiert an schwarze Spieler vorgehen sollen. Doch sie haben zu wenig Unterstützung, um effektiv gegen Rassismus agieren zu können, kommentiert Jan Wochner. Er plädiert für einen Audiobeweis

Diese Augen. Dieser Blick. Ich kann und werde den Gesichtsausdruck von Jordan Torunarigha so schnell nicht vergessen können. Ein junger Fußballspieler, überwältigt von seinen Gefühlen. Von einer Mischung aus Entsetzen, Wut bei gleichzeitiger Machtlosigkeit. Ein junger Mann, tief getroffen, seelisch verletzt. Es gibt zwar nach wie vor keine Belege für die rassistischen Vorfälle auf Schalke. Lediglich die Aussagen von Torunarigha in Richtung seiner Mitspieler. Aber ein Blick in Torunarighas Augen hat gereicht. So etwas lässt sich nicht vorspielen. Wieso aber hat niemand eingegriffen?

Er wollte den Platz vorzeitig verlassen

Torunarigha hatte noch auf dem Feld Tränen in den Augen. Äußerte gegenüber Mit- und Gegenspielern, er wolle den Platz vorzeitig verlassen. Kritik gibt es an Schiedsrichter Harm Osmers, er hätte das Spiel abbrechen müssen, heißt es. Nur Osmers ist erst rund eine halbe Stunde nach dem Vorfall darüber informiert worden. Und hatte ihn selbst vorher auch nicht mitbekommen. Genau hier stellt sich deshalb eine Frage, die das Geschehene zwar nicht mehr ändern wird. Die für die Zukunft aber wichtig ist. Wieso bekommen Schiedsrichter im Kampf gegen Rassismus nicht jede Form von Unterstützung, die technisch möglich ist?

Bei im Vergleich so banalen Fragen wie Abseits oder kein Abseits, werden ein Dutzend Kameras, kalibrierte Linien und andere technische Hilfsmittel eingesetzt, um millimetergenaue Entscheidungen zu ermöglichen. Es gibt aber keinen Video- und auch keinen Audiobeweis bei der Frage, Rassismus oder nicht. Bislang ist der Schiedsrichter in dieser Frage auf seine natürlichen Sinne angewiesen. Doch diese Sinne sind doch schon mit der reinen Spielleitung bis an ihre Grenzen ausgelastet. Der Schiedsrichter aber soll entscheiden, wann ein Spiel aufgrund von Rassismus abgebrochen wird.

Verbände und Vereine müssen reagieren

Verbände und Vereine müssen genau hier ansetzen! Alle Möglichkeiten müssen in Betracht gezogen werden. Damit Schiedsrichter zeitnah Entscheidungen auf dem Feld treffen, im Zweifel das Spiel abbrechen können. Und damit Verantwortliche im Nachgang solche Affenrufen konsequenter bestrafen und ächten können. Wer das für übertrieben hält, sei an Jordan Torunarighas verstörte, desillusionierte Blicke vom späten Dienstagabend erinnert. Diese Blicke machen klar, wir müssen uns diesem Hass entschlossener entgegenstellen. Nicht nur, aber eben auch im Fußball.

Audiobeweis gegen Rassismus

WDR 5 Politikum - Kommentar 06.02.2020 02:34 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 WDR 5 Von Jan Wochner

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 06.02.2020, 11:57