Meckern allein hilft nicht

Licht leuchtet in einem fast leeren Bürogebäude.

Meckern allein hilft nicht

Von Ursula Weidenfeld

Wieder einmal sitzen Bund und Länder beisammen, um über weitere Corona-Maßnahmen zu beraten. Die Wirtschaft fürchtet schärfere Regeln. Besser wäre es, es kämen konstruktive Vorschläge, meint Ursula Weidenfeld in ihrem Kommentar.

Komisch, dass man so wenig hört. Je lauter die Industrie verlangt, vom Lockdown ausgenommen zu werden, desto leiser fragt man sich: Und, was tut Ihr dafür?

Vor allem die Pausen sind gefährlich

Sie haben ja recht. Anders als im Frühjahr ist die Weltwirtschaft in diesem Winter nicht zum Stillstand gekommen. Wenn man ein bisschen Interesse für die Volkswirtschaft hat, muss man die Unternehmen jetzt offen halten. Nur so lassen sich im Lauf des Jahres Masseninsolvenzen und große Arbeitslosigkeit vermeiden. Autos kann man nicht im Home Office bauen, Impfstoffe erst Recht nicht. Das ewige Mantra, man trage nicht überproportional zum Infektionsgeschehen bei, ist zwar richtig. Doch genauso richtig ist, dass immer noch zehn Prozent der Infektionen auf der Arbeit passieren.

Inzwischen weiß man, dass vor allem die Pausen gefährlich sind. Wenn die Beschäftigte die Masken abnehmen, essen und sich unterhalten, sitzt das Virus mit am Tisch. Wenn sie morgens zur Schicht kommen, drängelt Covid-19 mit an der Stechuhr. Und wenn sie abends nachhause fahren, gibt es für die Familie Corona zum Nachtisch.

FFP2-Masken, regelmäßige Schnelltests, feste Teams

Klappe halten – das kann der Arbeitgeber nicht anordnen. Aber die Mitarbeiter während der Arbeitszeit und auf dem Heimweg in der Bahn mit FFP2-Masken auszustatten, sollte drin sein – jedenfalls, wenn man das Risiko einer Betriebsschließung dagegen rechnet. Regelmäßige Schnelltests machen viele Firmen, aber nicht alle. Dasselbe gilt für den verzögerten Arbeitsbeginn. Dass nur feste Teams zusammenarbeiten sollen, ist Allgemeingut, das sich auch noch nicht überall herumgesprochen hat.

Ein Lockdown für Unternehmen sollte das letzte Mittel sein - wenn in den Betrieben wirklich alles Menschenmögliche getan wird, um die Beschäftigten zu schützen. Das gilt übrigens auch für den öffentlichen Dienst. Viele Politiker verlangen zwar jetzt nach knallharten Regeln für die Wirtschaft. Doch im eigenen Laden tun sie viel zu wenig. Der öffentliche Dienst belegt immer noch den allerletzten Platz aller Branchen, die Home-Office anbieten können.

Meckern allein hilft nicht

WDR 5 Politikum - Kommentar 19.01.2021 02:17 Min. Verfügbar bis 19.01.2022 WDR 5 Von Ursula Weidenfeld


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Redaktion: Dirk Müller

Stand: 19.01.2021, 16:05