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Nicht nur auf US-Rassismus schauen

Protestierende halten in New York ein Banner mit der Aufschrift "Stop Killing Black People" hoch

Nicht nur auf US-Rassismus schauen

Von Tanja Busse

Schwarze Ohnmacht, weißer Machtmissbrauch: Das krasse Unrecht in den USA macht Anteilnahme leicht. Tanja Busse fragt, ob wir nicht eine schwierigere Debatte führen müssten - z.B. über den Ausländeranteil in unseren Gefängnissen.

Ziemlich fassungslos blicken wir gerade in die USA, wo ein rassistischer Präsident Krawalle anheizt und offensichtlich lustvoll mit dem Feuer spielt. Wo Rassismus mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Mord an Martin Luther King noch immer Alltag ist. Wo Menschen mit dunkler Hautfarbe ganz offensichtlich bei gewöhnlichen Polizeikontrollen um ihr Leben fürchten müssen.

Auch in Deutschland gibt es Fälle

Dagegen ist am Wochenende auch in Deutschland demonstriert worden. Ein Freund hat mir nun einen weiteren Aufruf geschickt. Am 6.6. soll deutschlandweit gegen Rassismus und für George Floyd demonstriert werden. Gut! antworte ich ihm. Und: Gut, dass unsere Polizei nicht so drauf ist. Das war mein erster Reflex: Gut, dass bei uns in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse herrschen. Naja, schreibt der Freund zurück. Im Allgemeinen. Aber. Aber es gibt auch hier Fälle.

Es gibt den noch immer ungeklärten Tod des Schwarzen Oury Jalloh im Gewahrsam der Polizei in Dessau, wo es nach zwei Gerichtsverfahren keine Verurteilung gibt - aber jede Menge Ungereimtheiten. Es gibt den Fall des Syrers, der 2018 in der JVA Kleve bei einem Zellenbrand ums Leben gekommen ist und der überhaupt nur wegen einer Verwechslung in Haft war. Sogar noch drei Wochen, nachdem die Staatsanwaltschaft die Verwechselung bemerkt hatte.

Wer fremd aussieht, wird nach einer Gewalttat häufiger anzeigt

Eine Verkettung unglücklicher Umstände? Oder haben sich die Umstände nur so unglücklich verkettet, weil den Beteuerungen eines Geflüchteten weniger Glauben geschenkt wurde als einem Bundesbürger ohne sichtbaren Migrationshintergrund? Und wie oft passiert so etwas?

Wer fremd aussieht, wird nach einer Gewalttat häufiger anzeigt. Die Wahrscheinlichkeit ist doppelt so hoch wie bei Einheimischen, hat der Kriminologe Christian Pfeiffer herausgefunden. Was sagen solche Zahlen aus über die hohen Anteile von Ausländern in deutschen Gefängnissen?

Wir müssen besser auf die Menschenrechte achten

Es ist viel zu einfach, schauernd nach Amerika zu blicken. Wir sollten die Wut und den Zorn dort als Warnung nehmen - dass wir auch hier besser auf die Menschenrechte achten müssen. Nicht nur bei Polizei-Einsätzen. Sondern überall.

Nicht nur auf US-Rassismus schauen

WDR 5 Politikum - Kommentar 02.06.2020 02:05 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 WDR 5 Von Tanja Busse

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 02.06.2020, 16:20