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Impfung von Kindern kommt zu kurz

Ein Mädchen mit einem rosa Mundschutz bekommt eine Impfung gegen das Corona-Virus.

Impfung von Kindern kommt zu kurz

Von Lena Sterz

Egal ob Fehlentscheidung oder nur schlechte Kommunikation: In der Debatte darüber, wie das Gesundheitsministerium den Nachschub an Impfstoffen organisiert, geraten mal wieder die Kinder aus dem Blick, meint Lena Sterz.

In einer idealen Welt wären die Impfquote unter Erwachsenen so hoch und die Schulen so sicher, dass das Corona-Virus unter Kindern kaum zirkulieren würde. In einer fast idealen Welt wäre jetzt wenigstens alles darauf vorbereitet, dass so schnell wie möglich so viele Kinder wie wollen gegen das Coronavirus geimpft werden können, sobald die Zulassung diese Woche eintrudelt.

Impfdosen für Kinder erst zu Weihnachten erwartet

Leider leben wir nicht in so einer Welt. Denn obwohl in den USA, in Israel und in Wien schon längst Kinder unter 12 geimpft werden, sollen die Spezial-Ampullen für Kinder erst in vier Wochen, kurz vor Weihnachten geliefert werden! Wie kann das sein, wo wir seit Monaten über Rekordinzidenzen unter Schülern sprechen. Das ist nach allem, was wir mittlerweile über die Ausbreitung des Virus, über die Folgen von ständigen Quarantänen und Long Covid bei Kindern wissen, einfach nur zum Verzweifeln.

Manche Kinderärzte warten nicht auf die Spezial-Ampullen für Kinder und trauen sich, den unter 12-Jährigen ein Drittel des Erwachsenen-Impfstoffs aufzuziehen. Aber selbst die werden jetzt ausgebremst: Denn wenn der Biontech-Impfstoff auf 30 Dosen pro Woche pro Praxis begrenzt ist, dann ist das für Kinderarztpraxen mit 30.000 Kindern in der Kartei quasi nichts.

Termine für die Impfungen wochenlang im Voraus geplant

Kaum jemand, kaum jemand im Bundesgesundheitsministerium zumindest, scheint daran zu denken, dass für Kinder und Jugendliche bisher nur der Biontech-Impfstoff zugelassen ist und dass es eine seltsame Art von Gleichbehandlung ist, wenn Praxen für Kinder und Erwachsene jetzt die gleiche Menge bekommen.

Viele Kinderärzte haben jetzt schon hunderte Termine für den Dezember vergeben, für die über 12-Jährigen und teilweise auch für die fünf bis Elfjährigen. Wenn die jetzt fast alle wieder abgesagt werden müssen ist die Frage, wie viele Kinderärzte nach diesem Impfstoff-Debakel überhaupt noch ihr Team motivieren können, weiter zu impfen. Denn es sind es die ohnehin überlasteten Sprechstundenhilfen, die sich die Wut und den Frust der Eltern anhören dürfen.

Dass an Familien mal wieder als Letztes gedacht wird, setzt dem Regierungsversagen der letzten Wochen die Krone auf.

Auch Kinderimpfungen zu spät

WDR 5 Politikum - Kommentar 23.11.2021 02:10 Min. Verfügbar bis 23.11.2022 WDR 5


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Redaktion: Isabel Reth