Infektionsschutzgesetz: Ungerechte Lastenverteilung

Infektionsschutzgesetz: Ungerechte Lastenverteilung

Nun ist die Bundesnotbremse beschlossen - zumindest im Kabinett: Bundesweit einheitliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Überfällig, findet Tanja Busse, aber gleichzeitig auch unzureichend.

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt ein Statement ab zur bundeseinheitlichen Notbremse nach der Sitzung des Bundeskabinetts am 13.04.21 im Bundeskanzleramt Berlin.

Ach, es gibt da dieses Video der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern, wie sie ihren Leuten dankt, dass sie im letzten Frühjahr 2 Monate so gut mitgemacht haben beim knallharten Lockdown. Damals schien mir das unfassbar streng - aber Jacinda Ardern hat einfach mal auf die Wissenschaftler gehört, die forderten: Sofort handeln, keine Sekunde Zeit verlieren.
Und seitdem ist Neuseeland quasi corona-frei. Während wir, nun ja, im föderalen Hin und Her von einer Welle zur nächsten reiten.

Die Wissenschaft muss mehr Gehör finden

Ja: Deutschland ist keine Insel, Neuseeland schon, aber: Auf die Wissenschaft hören, könnte man ja trotzdem.

Die Bundesnotbremse schlägt nun vor: Im Wesentlichen so weiter wie bisher, nur bundesweit einheitlicher. Doch das wird nicht reichen. Besser wäre es, dort strenger zu werden, wo sich die Menschen tatsächlich anstecken, in geschlossenen Räumen nämlich, also auch bei der Arbeit, und dort zu lockern, wo Verbote sogar kontraproduktiv sind.
Warum zum Beispiel soll Sport draußen und auf Abstand mit mehr als zwei Personen verboten sein? Damit sich die Kinder im Klassenzimmer anstecken oder zu Hause die Wände hochgehen? Sport stärkt das Immunsystem - auch das sollte berücksichtigt werden.

Wenn die Aerosolforschung zeigt, dass es draußen fast keine Ansteckungsgefahr gibt, dann sollten Kinder, die lange genug eingesperrt waren, so lange draußen sein wie möglich. Und Wandertage machen. Und Matherechnen im Wald.
Ob also eine Ausgangssperre hilft, wenn es eher eine Eingangssperre bräuchte - in geschlossene Räume nämlich?

Die Einschränkungen müssten gerechter verteilt werden

Und: Wenn die Forschung zeigt, dass Luftfilter und Schnelltests helfen, dann sollten die auch an jedem Arbeitsplatz verbindlich werden. Nicht nur als verpflichtendes Angebot der Arbeitgeber - wie jetzt vorgesehen - sondern tatsächlich verpflichtend für jeden, der zur Arbeit kommt.

Das würde die Lasten ein bisschen gerechter verteilen. Denn zur Zeit werden viele große Unternehmen geschont - sie dürfen einfach weiter produzieren, oft mit Risiko für die Angestellten - während das Privatleben schon lange eingeschränkt ist.

Bundesnotbremse: zu wenig, zu spät

WDR 5 Politikum - Kommentar 13.04.2021 02:11 Min. Verfügbar bis 13.04.2022 WDR 5 Von Tanja Busse


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Redaktion: Kerstin Steinbrecher