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Eine Lehrerin lüftet vor dem Unterricht das Klassenzimmer

Zu dicke Luft in den Klassenzimmern

Stand: 21.06.2022, 16:22 Uhr

Dicke Luft in Schulen und Kitas. Immer noch. Es fehlt weiter an Filter- und Klimaanlagen. Das muss sich endlich ändern, die neue Landesregierung muss baldmöglichst handeln, zum Beispiel die Förderregeln vereinfachen, kommentiert Lena Sterz.

Von Lena Sterz

Machen Sie sich aktuell Sorgen wegen der neuen Coronawelle? Oder fragen Sie sich eher, wie sie die schon wieder anstehende Hitze am besten überleben? Kita- und Schulkinder können weder der Pandemie noch der Klimaerwärmung aus dem Weg gehen: In vollen Klassen und Kitas verbreitet sich das Coronavirus bekanntlich bestens und kaum jemand ist so gut durchseucht wie Erzieherinnen, Kinder und deren Eltern. Und Klimaanlagen sind in deutschen Bildungseinrichtungen im Gegensatz zu US-amerikanischen auch die Ausnahme.

NRW hängt bei der Installation von Luftfilteranlagen hinterher

Und obwohl einige Experten schon seit zwei Jahren Luftfilteranlagen in Schulen und Kitas fordern und einige Pseudo-Förderprogramme von der Politik aufgelegt wurden, sind sie zumindest in Nordrhein-Westfalen immer noch nicht in allen Schulen und nur in wenigen Kitas zu finden.

Weil die Voraussetzungen der millionenschweren Förderprogramme nämlich so eng gesteckt wurden, dass am Ende doch kaum ein Kita- oder Klassenraum sich dafür qualifiziert, machen die Luftfilterhersteller mit Restaurants, Behörden und Büros das bessere Geschäft: Gerade einmal fünf Prozent der Fördermittel sind im vergangenen Winter in NRW für Schulen und Kitas abgerufen worden. In Hamburg und Berlin dagegen wurden für alle Schulen Luftreinigungsgeräte angeschafft. Als wenn das Virus hier ein anderes wäre – das ist Bildungsföderalismus at it's best.

Dabei wissen wir ja inzwischen, dass die Sommer nicht mehr kühler werden, das Coronavirus rasend schnell mutiert und die nächste Grippewelle von Luftfiltern auch gemildert werden könnte. Wenn das NRW-Schulministerium bald wieder besetzt ist und es Wert auf eine gute Lernumgebung legt, sollten Klima- und Luftfilteranlagen schnellstmöglich in einem verbaut werden, um sowohl für künftige Pandemiewellen als auch Hitzewellen besser gerüstet zu sein.

Masken können zukünftig keine Alternative mehr zu Filtergeräten sein

Das Gegenargument bei Luftfiltern war bisher: Sie senken die Infektionsgefahr nicht auf Null, Masken seien wirksamer. Aber während Kitakinder ja sowieso noch zu klein sind für Masken und man inzwischen weiß, dass Corona sich auch bei den Kleinsten sehr wohl fühlt, stellt sich bei den älteren Kindern ja die Frage: Wollen wir Schulkinder künftig jeden Herbst und Winter zu Masken verdammen?

Danach sieht es ja aktuell aus – zumindest, wenn Familien nicht jede Untervariante des Virus mitnehmen wollen. Aus demselben Grund unterrichten viele Lehrer und Lehrerinnen selbst im aktuellen Hochsommer noch mit FFP2-Maske – auch für sie wäre es jetzt mal an der Zeit, für echten Schutz gegen das Virus und für Abkühlung zu sorgen.

Zu dicke Luft in den Klassenzimmern

WDR 5 Politikum - Kommentar 21.06.2022 02:30 Min. Verfügbar bis 21.06.2023 WDR 5 Von Lena Sterz


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Redaktion: Dirk Müller