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Erzieherinnen streiken

Bessere Kitas statt Geldgeschenke

Stand: 12.05.2022, 14:23 Uhr

Jetzt dürfen sich alle über das Entlastungspaket der Regierung freuen. Aber Lena Sterz wünscht sich mehr gezielte Unterstützung für Eltern. Und denen wäre nicht zuletzt mit mehr Geld für die Fachkräfte in Kitas geholfen.

Von Lena Sterz

Als mein erstes Kind in die Kita kam, hat jemand Kluges zu mir gesagt: Rechne im ersten Winter damit, dass es höchstens die Hälfte der Tage in die Kita gehen kann. Das war noch vor Corona und schon damals sind um die 50 Prozent der Kita-Tage im ersten Winter für Magendarm, Hand-Mund-Fuß und Erkältungen draufgegangen. Als dann in dieser Woche unsere und andere städtische Kitas drei Tage lang bestreikt wurden, haben viele Eltern mit den Augen gerollt. Eine Mutter fragte in unserem Kita-Chat: „Wie soll ich das jetzt meinem Arbeitgeber erklären??“

Pauschale Zahlungen sind nicht wirklich hilfreich

Jetzt bekommt sie von der Regierung bald 300 Euro, als Teil des sogenannten Entlastungspakets. Das wird ihr nicht viel bringen, wenn sie ihren Job verliert oder nicht befördert wird, weil die Kita ständig zu ist. Sinnvoller als 300 Euro mit der Gießkanne an alle Steuerzahler zu verteilen, wäre es doch, Geld in angemessene Gehälter für Erzieherinnen und Erzieher zu stecken – als Teil eines post-pandemischen Eltern-Entlastungspakets.

Denn eigentlich stehen viele Eltern natürlich hinter den Zielen, die Erzieher und Erzieherinnen mit ihrem Streik erreichen wollen: Mehr Lohn für diesen äußerst anstrengenden Job und mehr Personal, damit die Kinder von gut ausgebildeten, motivierten und nicht überlasteten Pädagogen und Pädagoginnen betreut werden.

Der Personalmangel in den Kitas ist gravierend

Eine Studie hat kürzlich gezeigt, wie groß der Personalmangel ist: Schätzungsweise 9.000 Kitas bundesweit haben den gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel in der Hälfte der Zeit im letzten Jahr nicht einhalten können. Mehr als 80 Prozent der Kita-Leitungen haben angegeben, dass sich der Personalmangel bei ihnen verschärft hat. Ohnehin überlastete Fachkräfte wurden in den vergangenen zwei Jahren mit immer neuen Vorgaben vertrieben, statt Wertschätzung und echten Schutz vor Corona-Infektionen zu bekommen.

Und neue Fachkräfte kommen nicht so schnell nach, weil die Ausbildung immer noch größtenteils unbezahlt ist und auch nach der Ausbildung die Bezahlung jetzt nicht mit der von Grundschullehrerinnen zum Beispiel vergleichbar ist. Dabei sind die Ansprüche an das Kitapersonal immer größer geworden. Der Bundestag sollte nochmal genau überlegen, welche Bevölkerungsgruppen in letzter Zeit besonders mit finanziellen Ausfällen zu kämpfen hatten und in einem Entlastungspaket auch bedenken, dass Zuschüsse an die Kommunen, damit die ihr Kitapersonal besser bezahlen können, vielen Eltern mehr bringen wird als einmalig 300 Euro.

Bessere Kitas statt Geldgeschenke

WDR 5 Politikum - Kommentar 12.05.2022 02:10 Min. Verfügbar bis 12.05.2023 WDR 5 Von Lena Sterz


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Redaktion: Morten Kansteiner