Live hören
Jetzt läuft: This is where I live von William Bell

SPD simuliert Geschlossenheit

Olaf Scholz verlässt eine Pressekonferenz mit Mund- Nasenmaske neben Saskia Esken (r) und Norbert Walter-Borjans (l), auf der er als Kanzlerkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl 2021 vorgestellt wurde

SPD simuliert Geschlossenheit

Von Albrecht von Lucke

Die SPD-Spitze hat die Präsentation ihres Kanzlerkandidaten geschickt vorbereitet, meint Albrecht von Lucke. Für den Moment steht die Partei geschlossen da. Aber wenn die Umfragewerte nicht hochgehen, kann sich das schnell ändern.

Sapperlott, eine derart konzertierte Aktion hätte man der SPD ja gar nicht mehr zugetraut. Denn was heute vollzogen wurde, hatte man seit einer Woche strategisch vorbereitet. Erst gab Kevin Kühnert seinen Juso-Vorsitz auf, um sich ganz in den Dienst der Mutterpartei und seines künftigen Bundestagsmandats zu stellen. Dann kündigte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eine baldige Kür des Spitzenkandidaten an.

Und nachdem so die heimliche Führungsreserve, Kühnert und Klingbeil, den Kurs vorgegeben hatte, konnte heute die eigentliche Parteiführung, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, den Umworbenen formal zum Kanzlerkandidaten ernennen – was Olaf Scholz prompt selbst per Twitter publik machte.

Die SPD steckt weiter bis zum Hals im Umfragetief

So sieht es also aus, das letzte Aufgebot der SPD. Denn, auch das gilt es festzuhalten, alle anderen potentiellen SPD-Kandidaten hatten sich längst in die Büsche geschlagen. Umso mehr heißt es jetzt: Die Reihen dicht geschlossen. Getreu der Devise: Du hast keine Chance, also nutze sie. Denn die SPD steckt weiter bis zum Hals im Umfragetief.

Aber immerhin: Mit Olaf Scholz ist sie jetzt als erste aller Parteien startklar für den Wahlkampf. Schon die nächsten Wochen dürften darüber entscheiden, ob sich dieser Coup gelohnt hat – und ob die starken Umfragewerte von Scholz endlich auf die Partei ausstrahlen. Bisher kann davon keine Rede sein.

Olaf Scholz wird sich behaupten müssen

Nur so aber wird sich Scholz in der eigenen Partei behaupten können. Denn in der Politik gilt: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg – nur ein Erfolg könnte die ganze Partei an Bord holen. Aber wehe, dem ungeliebten Scholz gelingt das nicht. Denn bereits jetzt laufen sich einige seiner Genossen in der NOlaf-Kampagne warm.

Sollte daher wie bisher nur die Union vom Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung profitieren und die SPD weiter abgeschlagen vor sich hindümpeln – dann dürfte sich die heute demonstrierte Geschlossenheit der SPD ganz schnell als bloße Simulation von Geschlossenheit erweisen. Denn 14 Monate bis zur Wahl sind noch eine sehr lange Zeit – und für eine schöne Kakophonie in der SPD allemal Zeit genug.

SPD simuliert Geschlossenheit

WDR 5 Politikum - Kommentar 10.08.2020 02:15 Min. Verfügbar bis 10.08.2021 WDR 5 Von Albrecht von Lucke

Download

Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 10.08.2020, 16:48