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Im Zweifel entscheidet der Vatikan

Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz nehmen am Eröffnungsgottesdienst teil.

Im Zweifel entscheidet der Vatikan

Von Tanja Busse

Während die katholischen Gläubigen in den Gemeinden mit den Füßen abstimmen, tut sich die katholische Kirche schwer mit eigenverantwortlicher Erneuerung. Die Ex-Katholikin Tanja Busse sieht auch Versäumnisse bei den Gläubigen, die Doppelmoral und Autoritätsfixierung zu lange hingenommen haben.

Das Gefühl irgendwie betrogen zu werden, das haben wir katholischen Kinder ja schon lange gehabt. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelsreich, haben wir im Kommunionsunterricht gelernt und sind dann auf Pilgerreise gefahren, standen vor dem Paderborner Dom und dachten, das sieht doch ganz schön nach Reichtum aus.

Geschichten von Jesus sollten auch Geltung haben

Die Geschichten von Jesus, dem Menschenfreund, und seiner Nächstenliebe fanden wir gut, aber wir haben nie eingefordert, dass sie mehr sein sollten als Geschichten, das sie - wenn wir uns als Anhänger Jesu bezeichnen, auch Geltung haben sollten. Für unser Leben.

Das war halt früher: Da hat Jesus die Heuchler aus dem Tempel geworfen und die sich mit denen Aussätzigen getroffen. Er hat allen irdischen Reichtümern  eine Absage erteilt, sich also ziemlich deutlich gegen den Konsumkapitalismusausgesprochen. Das sollten wir irgendwie alles gut finden, aber so richtig nachmachen, dann doch nicht.

Hätten wir auf Jesus gehört, hätten wir die Autoritäten hinterfragt

Heute verstehe ich: Über die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der katholischen Kirchen haben wir hinweggesehen, viel zu lange. Dass wir dabei einfach so mitgespielt haben, bei all diesen Widersprüchen, auch das war eine Voraussetzung dafür, dass der schreckliche Missbrauch in der Kirche passieren konnten und ungesühnt blieb.

Weil wir Respekt vor der kirchlichen Autorität hatten und alles einfach schweigend als gottgegeben hingenommen haben. Hätten wir auf Jesus gehört, hätten wir die Autoritäten hinterfragt - und damit wohl auch denen geholfen, die damals missbraucht wurden und aus Angst nicht sprechen konnten.

Bischöfe: Kein Sonderweg ohne Rom

Jetzt sagt die Deutsche Bischofskonferenz: Wir gehen den Synodalen Weg, wir reden über die Probleme, suchen nach Lösungen. Aber die Bischöfe sagen auch: Kein Sonderweg ohne Rom. Was wohl heißt: So richtig ändern können wir nichts. Wir unterstehen ja einer höheren Autorität. Aber das ist ja genau das Denken, was Hinnehmen, Schweigen - und Missbrauch möglich gemacht hat.

Was daraus folgt? Ein Appell an alle, denen diese Kirchen am Herzen liegt: Stürmt den Palast des Limburger Ex-Bischofs mit seinen goldenen Wasserhähnen und richtet dort ein Bürger*innen-Forum ein: mit dem Bündnis katholischer Laien und dem Betroffenenbeirat und allen voran mit den Frauen von Maria 2.0 - und lasst die alle gemeinsam entscheiden, wie das weitergehen soll mit der katholischen Kirche.

Autoritätsgläubige Gläubige

WDR 5 Politikum - Kommentar 25.02.2021 02:10 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 WDR 5


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Redaktion: Kerstin Steinbrecher

Stand: 25.02.2021, 12:47