Live hören
Jetzt läuft: Love For Myself von Emma Russack

Frau getötet: Keine Ausgangssperre für Männer

Eine Frau läuft bei Dunkelheit unter einer Unterführung durch.

Frau getötet: Keine Ausgangssperre für Männer

Sollten alle Männer unter eine abendliche Ausgangssperre fallen nach der Entführung und dem Tod einer Frau in Großbritannien? Gefährliche Idee, wir brauchen konstruktivere Lösungsansätze, kommentiert Mithu Sanyal.

Ihr Name ist Sarah Everard. Sie wurde auf ihrem Heimweg in London entführt und ermordet. Das ist ein so schreckliches Verbrechen, dass ich ihm hier in zwei Minuten natürlich nicht gerecht werden kann.

Ausgangssperre für Männer ist problematisch

Doch scheint genau das die Strategie der britischen Regierung zu sein: Schnell ein paar Maßnahmen raushauen wie – nachdem ein Elitepolizist wegen dringendem Tatverdacht verhaftet worden ist – doch mehr Polizisten auf die Straßen zu schicken, damit sich Frauen sicherer fühlen. Man kann es sich nicht ausdenken. Auch die Frauen in Clapham Common haben sich bestimmt supersicher gefühlt, als die Mahnwache für Sarah Everard gewaltsam von der Polizei aufgelöst wurde. Oder als die Polizei von Haus zu Haus ging und Frauen riet, nachts nur noch in Begleitung auf die Straße zu gehen.

Als Reaktion schlug Baroness Jenny Jones nun vor, doch lieber Männern ab 18:00 Uhr zu verbieten, das Haus zu verlassen. Wie cool ist Jenny Jones? Super cool. WEIL SIE ES NATÜRLICH NICHT ERNST MEINT! Doch Vorschläge wie eine Ausgangssperre für Männer – oder eine Männersteuer –kommen tatsächlich immer wieder auf, wie zum Beispiel von dem Philosophen Keith Burgess-Jackson. Und das ist ein Problem.

Frauen auf den Straßen sicherer als zu Hause

Ja #TextMeWhenYouGetHome, es ist wahr, dass Frauen nachts auf der Straße zur Sicherheit eine Freundin anrufen, damit die mitbekommt, wenn ... Ja, die Angst ist real, ich habe mir auch schon einen Schlüssel wie einen Schlagring zwischen die Finger geklemmt. Aber so tragisch der Mord an Sarah Everard auch ist, er ist nicht repräsentativ! Der öffentliche Raum ist für Frauen keineswegs gefährlicher als für Männer. Das wird uns nur ständig erzählt. Und das macht etwas mit uns.

Und dann kommt die Schweizer Polizei und rät Frauen in einer aktuellen Broschüre, treten Sie selbstbewusster auf, um nicht vergewaltigt zu werden. Hatte ich schon gesagt, dass man es sich nicht ausdenken kann? Streng genommen müssten wir Frauen raten, die ganze Nacht auf den Straßen zu tanzen, weil sie zu Hause ein viel, viel, viel höheres Risiko laufen, Opfer von Gewaltverbrechen zu werden.

Brauchen Lösungen abseits von Kontrolle und Strafen

Und noch eine Statistik: Die meisten Opfer von Gewalt sind männlich, ja auch die meisten Mordopfer. Laut BKA. Doch das ist ein anderer Kommentar, weil auch das komplexer ist. Aber auch hier gilt: Mehr Kontrolle und härtere Strafen haben noch keinen Mord verhindert. Es wird Zeit konstruktivere Lösungswege zu gehen.

Frau getötet: Keine Ausgangssperre für Männer

WDR 5 Politikum - Kommentar 18.03.2021 02:24 Min. Verfügbar bis 18.03.2022 WDR 5 Von Mithu Sanyal


Download

Redaktion: Dirk Müller

Stand: 18.03.2021, 17:07