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Generationengerechtes Wählen

Teilnehmer stehen beim globalen Klimastreik der Klimaschutzbewegung Fridays for Future auf dem Steubenplatz und halten Plakate mit der Aufschrift ·Beweist uns Partizipation. Hört auf diese Generation"

Generationengerechtes Wählen

Von Lena Sterz

Die Älteren in Deutschland bestimmen maßgeblich den Ausgang der Wahlen. Die Jüngeren tragen aber länger an den Folgen politischer Entscheidungen. Deshalb sollten sie mehr Stimmen bekommen, fordert Lena Sterz in ihrem Kommentar.

Wahlergebnisse in Deutschland sind nicht gerecht, aber ich habe eine Idee, wie sie gerechter werden könnten. Wenn wir in zwei Wochen wissen, wer die Bundestagswahl gewonnen hat, dann wird das mal wieder ein Wahlergebnis vor allem von alten Menschen für alte Menschen sein. Denn der Anteil älterer Menschen an den Wahlberechtigten nimmt zu: Jede und jeder dritte Wahlberechtigte ist schon über 60 und wird die Auswirkungen der heutigen politischen Entscheidungen, zum Beispiel was den Klimawandel angeht, gar nicht mehr miterleben. Gleichzeitig ist die Wahlbeteiligung bei den Älteren bei Bundestagswahlen aber besonders hoch.

Ältere Generation will offenbar nicht auf jüngere hören

Auch bei den Debatten jetzt vor der Bundestagswahl kommt die Perspektive der älteren oft durch, wenn es zum Beispiel darum geht, dass Urlaubsflüge aber nicht zu teuer werden dürfen und Sprit schon gar nicht und, dass die Pendlerpauschale dann aber auf jeden Fall deutlich erhöht werden muss. Dass Klimaschutz langfristig so oder so hohe Kosten verursachen wird, Stichwort Hochwasser und Dürren, das merkt hier und da dann mal jemand Kluges unter 40 an, aber hören will das ein großer Teil der älteren Generation offenbar nicht.

Jüngere Menschen dagegen müssen mit den Folgen des Klimawandels, aber auch mit anderen Dingen wie hinterherhinkender Digitalisierung und leeren Rentenkassen noch sehr viel länger klar kommen. Und die Wahlergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass Menschen bis Mitte 40 ganz anders wählen als ältere Leute. Der Naturschutzbund NaBu hat dazu eine Umfrage jenseits von Parteien gemacht, das Ergebnis: Je älter Menschen sind, desto weniger richten sie ihr Wahlverhalten an den Klimaschutz-Interessen der jüngeren Generation aus. Ich bin deshalb dafür, dass man eine Form findet, wie Wählen generationengerechter wird.

33-Jährige: vier Wahlzettel, die 90-jährige Oma nur einen

Zum Beispiel, indem nicht jeder und jede pauschal einen Wahlzettel bekommt, sondern einen pro zehn Jahre, den er oder sie statistisch gesehen noch leben wird. Also konkret: Ich bin 33, habe statistisch gesehen noch eine Lebenserwartung von etwas mehr als 40 Jahren - wäre es nicht fair, wenn ich vier Wahlzettel ausfüllen könnte, meine 90-jährige Oma aber wie bisher nur einen?

Das würde allen, die noch ein langes Leben vor sich haben, mehr politischen Einfluss geben, sie müssten ihn dann auch nutzen, aber ich denke so eine Wahlreform wäre auch ein gutes Instrument gegen das Ohnmachtsgefühl bei den Jüngeren, das bei den politischen Entscheidungen der letzten anderthalb Jahre bestimmt nicht weniger geworden ist. 

Generationengerechtes Wählen

WDR 5 Politikum - Kommentar 14.09.2021 02:24 Min. Verfügbar bis 14.09.2022 WDR 5 Von Lena Sterz


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Redaktion: Dirk Müller

Stand: 14.09.2021, 14:44