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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Die Bundeswehr der Männerbünde

Soldaten stehen in einer Reihe

Die Bundeswehr der Männerbünde

Von Yassin Musharbash

Nach dem KSK sorgen jetzt deutsche Soldaten in Litauen für Schlagzeilen. Mit kleinen organisatorischen Reformen lässt sich dem Problem nicht beikommen, meint Yassin Musharbash: Wir müssen ein Mittel gegen toxische Männlichkeit finden.

„Thank you for your service“ — Danke für Ihren Dienst für unser Land: In den USA ist es ganz normal, sich bei Soldaten auf diese Weise zu bedanken. Ihre Kollegen in Deutschland bringen manchmal den Wunsch zum Ausdruck, dass es hierzulande ähnlich wäre. Kein Problem. Ich sage es gerne und reinen Herzens:

Vielen Dank für Ihren Dienst für unser Land! — Solange Sie nicht zu jenen deutschen Soldaten zählen, die in letzter Zeit damit aufgefallen sind, dass sie rechtsradikale Rituale vollzogen haben; Munition gestohlen und sich auf einen Bürgerkrieg vorbereitet haben; oder gar, wie zuletzt in Litauen, Adolf Hitlers Geburtstag gefeiert haben.

Toxische Männlichkeit gibt es nicht nur bei der Bundeswehr

Deutschland hat ein Problem mit rechtsextremen Soldaten. Und mit solchen, die nicht kapieren, wo Kameradschaft und Schabernack aufhören und inakzeptables Verhalten beginnt. Das Vertrauen ist angekratzt — zu Recht. Ganz offensichtlich prägen die Leitbilder, auf die wir so stolz sind — die Idee vom "Staatsbürger in Uniform“, das Motto der „Inneren Führung“ — die Truppe nicht so nachhaltig, dass sie solche Umtriebe verhindern.

Es ist ein ernster und trauriger Befund, aber toxische Männlichkeit ist anscheinend stärker. Und das nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch bei Polizei und Feuerwehr. Wo fast nur Männer auf engstem Raum und unter höchster Anspannung zusammenkommen, brechen irgendwann die Dämme. 

Die Politik muss das Thema ernst nehmen

Ich will, dass darüber diskutiert wird. Gerade jetzt, im Wahlkampf. Ich will, dass die Parteien sich mit Ideen überbieten, wie Armee und Sicherheitsbehörden zu Säulen der Demokratie werden können. Und dafür reichen oberflächliche Reformen wie jene beim KSK nicht aus. Ich will, dass über toxische Männlichkeit in diesen Organisationen geredet wird, und wie ihr der Stachel gezogen werden kann. 

Das ist mir wichtiger, viel wichtiger, als der im Vergleich regelrecht alberne Kampf gegen Gendersternchen an Universitäten, mit dem die Partei, der die Verteidigungsministerin angehört, mein Wahlkreuz derzeit zu gewinnen versucht.

Die Bundeswehr der Männerbünde

WDR 5 Politikum - Kommentar 17.06.2021 02:05 Min. Verfügbar bis 17.06.2022 WDR 5 Von Yassin Musharbash


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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 17.06.2021, 14:54